Überblick über die Geschichte der Kirche von Meineringhausen

 

Die Kirche von Meineringhausen wird um 1350 zum ersten Mal erwähnt. Allerdings handelt es sich dabei um einen Vorläufer des heutigen Gebäudes. 

In der Mitte des 18. Jahrhunderts wurde die Kirche unter Verwendung älterer Teile neu erbaut. Die Grundsteinlegung zu diesem Neubau wird auf den 18. Juni 1745 datiert. Nach einer über der Kirchentür in Stein gehauenen Inschrift ist die Kirche 1755 (MDCCLV) errichtet worden. Für diese unter¬schiedlichen Angaben gibt es zumindest zwei Erklärungen. 

Die eine besagt, dass der Bau 1745 begonnen und 1755 abgeschlossen wurde. Hierfür sprechen zwei andere Inschriften, die ebenfalls über der Kirchentür in Stein gehauen sind. Auf der linken Seit grüßt Pastor Walter Nellen die Eintretenden (PAX INTRANTIBUS WALTER NELLEN, PASTOR), auf der rechten Seite verabschiedet Franz Christoph Nellen die Heraus-tretenden (SALUS EXEVNTIBUS FRANZ CHRISTOPH NELLEN, PASTOR). Der Vater, Walter Nellen, war Pastor von 1712 bis 1750, also bei Grundsteinlegung. Der Sohn war von 1750 bis 1759 Pastor, also auch im Jahr 1755.

Die andere Erklärung ist, dass der Steinmetz sich vertan, sich also „verhauen“ habe. Für diese Annahme spräche, dass nach der ersten Erklärung die Bauzeit von der Grundsteinlegung bis zur Errichtung für diesen Kirchbau ungewöhnlich lange (10 Jahre) wäre.

In jedem Fall älter als das Kirchenschiff ist der Turm (Höhe: 15,50 m) bzw. das Turmgeschoss. Er wird in das 17. Jahrhundert datiert.

Das Kirchenschiff hat den Grundriss einer barocken Saalkirche. Im Osten befindet sich ein großzügiger Altarraum mit Altar, Kanzel und Taufstein.

Der Taufstein hat eine achtseitige Pokalform, ist aus Sandstein gearbeitet und stammt aus dem 17. Jahrhundert.

Die Kanzel sowie der Kanzelaufgang und „Pfarrersitz“ bestehen aus Holz. Die Kanzel stammt aus der Zeit des Kirchenneubaus, also aus der Mitte des 18. Jahrhunderts.

Der Altar in der Meineringhäuser Kirche ist ein Werk des Barockbildhauers und Bild-schnitzers Josias Wolrad Brützel. Brützel wurde 1653 in Goddelsheim oder Nachbarort Immighausen geboren und hatte seine Werkstatt in Immighausen. Er starb vermutlich im Jahre 1733.

Der Altaraufsatz steht auf einem aus Sandsteinquadern bestehenden Unterbau. Aus welcher Schaffensperiode Brützels der Altaraufsatz stammt, lässt sich nicht genau bestimmen. Charlotte Nieschalk schreibt dazu in ihrem Aufsatz über Brützel:

„Ob der undatierte Altaraufsatz in der Kirche in Meineringhausen zu den frühen Werken Brützels gehört, ist schwierig zu entscheiden. Die geringe Größe von etwa drei Metern und die noch ziemlich einfache und etwas steife Ausführung in Architektur und Schmuckwerk sprechen für eine frühe Entstehungszeit. Andererseits sind an diesem Werk Ähnlichkeiten mit späteren Werken feststellbar. So deuten der durchbrochene Giebel mit Fruchtgehängen, Engelskopf und Strahlenkartusche sowie die Seitenteile mit geflügelten Engelsköpfen bereits auf die Altaraufsätze von Fürstenberg und Neerdar hin. Des weiteren zeigen die unter dem verkröpften Gebälk seitlich hintereinander stehenden Säulenpaare Anklänge an die Werke in Kohlgrund und Nieder-Ense. Die auf den Giebelecken sitzenden Engel sind typisch für die barocken Altaraufsätze Brützels.“

Nach der vorsichtigen und mit Fragezeichen versehenen Einschätzung von Charlotte Nieschalk wäre der Altar in der Zeit zwischen 1679 und 1690 entstanden. In jedem Fall ist er älter als das Mitte des 18. Jahrhunderts erbaute Kirchenschiff. Das Bild mit der Darstellung der Kreuzigung Jesu (Öl auf Leinwand), das sich zwischen den Säulen befindet, ist allerdings jüngeren Datums (19. Jahrhundert?).

Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Altar überstrichen. In den Jahren 1946 und 1947 wurde von Meister Albert Nieschalk die ursprüngliche Farbe bei Restaurierungsarbeiten freigelegt und der Altar in den ursprünglichen Farben neu gestaltet.

Dem Altar gegenüber steht auf einer erweiterten Empore ein anderes Schmuckstück dieser Kirche, die Orgel. Sie wurde im Jahre 1846 von Jakob Vogt aus Korbach gebaut, als drittes Werkstück seiner 1845 gegründeten Werkstatt. 1989 wurde die Orgel von dem Orgelbau-meister Wolfgang Böttner und den Mitarbeitern seiner Werkstatt überholt. Er hat auch den Artikel über die Orgel und die Orgelbauerfamilie Vogt verfasst, der im Dorfbuch von Meineringhausen (S. 54ff) abgedruckt ist .

Die Angaben zur Kirche sind ebenfalls dem Dorfbuch (Ein waldeckisches Dorf im Wandel von hundert Jahren. Meineringhausen 1890 – 1990, Hrsg. Rolf Ortwein) entnommen.

 

Nachtrag:  

In den Jahren 1995 – 2002 erfolgte eine umfassende Außensanierung der Kirche. Das Mauerwerk von Kirchturm und Kirchenschiff wurde komplett saniert, die schadhaften Bereiche neu verfugt. Außerdem erfolgte eine vollständige Neueindeckung des Daches samt Anbringung einer neuen Turmzier. Aus statischen Gründen musste der Dachstuhl saniert und die Fußpunkte in den Ebenen der Sprengwerke durch Zugbänder, die quer durch das Deckengewölbe im Kirchenraum sichtbar verlaufen, gesichert werden.

Von Oktober 2003 bis Pfingsten 2004 wurde dann eine umfangreiche Innensanierung der Kirche (Putzarbeiten und Neuanstrich von Wänden, Kanzel, Bänken, Empore sowie Orgelprospekt; außerdem Elektroinstallation und Einbau einer neuen Heizungsanlage)  durchgeführt.