Handwerker-Gottesdienst 2020

Vöhl. Wie viele Gemeinsamkeiten das Handwerk und die Kirche haben, ist beim Handwerksgottesdienst am Samstagabend in der Vöhler Martinskirche deutlich geworden. Die vielleicht wichtigste: Ohne Handwerk und ohne Kirche würde unsere Gesellschaft nicht funktionieren. Mehr als 100 Besucher erlebten einen abwechslungsreichen Gottesdienst, den Handwerker aus der Region mitgestalteten.

 

Handwerksgottesdienste haben in Kurhessen-Waldeck eine lange Tradition. Dass Handwerk und Kirche seit Jahrhunderten eng miteinander verwoben sind, zeigte sich in der Liturgie des Vöhler Pfarrers Jan Friedrich Eisenberg: Gemeinsam mit Peter Grohme vom Arbeitskreis Handwerk und Kirche (AHK) bei der EKKW las er die Geschichte von der Ausbesserung des Tempels (2. Könige 12, 1-16).

Bilder vom Handwerker-Gottesdienst in Vöhl. Fotos: Sascha Pfannstiel


Darin geht es darum, dass ursprünglich Priester die baufällig gewordenen Teile des Tempels ausbessern sollten, dazu aber handwerklich nicht in der Lage waren. Schließlich wurden fachkundige Arbeiter damit beauftragt und erhielten einen Lohn für ihre Dienste - die frühe Form des beauftragten Handwerkers. Als Handwerker müsse man Gott dankbar sein für die "Fähigkeiten, mit denen wir jeden Morgen zur Arbeit gehen", sagte der Pfarrer. Und welche Fähigkeiten die heimischen Handwerker besäßen, könne man überall in der frisch renovierten Vöhler Kirche sehen. 

 

"Da haben sich die Richtigen gefunden"

"Kirche und Handwerk, das haben sich die Richtigen gefunden", sagte Dekanin Eva Brinke-Kriebel in ihrer Predigt und nannte Gemeinsamkeiten: Eine lange Tradition, gemeinsame Werte, Einstehen für Freiheit und Demokratie, und beide seien ein wichtiger Teil der Gesellschaft - doch leider würden viele Menschen heutzutage sowohl Kirche, als auch das Handwerk als unattraktiv, verstaubt und langweilig ansehen. Die Dekanin sagte, dass "unsere Gesellschaft die Kirche als Anwältin für Solidarität und Nächstenliebe und soziale Gerechtigkeit" brauche, als "Ort der Gemeinschaft und des Zusammenhalts." Dies gelte auch für das Handwerk. Brinke-Kriebel: "Ohne das Handwerk funktioniert

unsere Gesellschaft, unser Leben nicht." Mit einem Augenzwinkern zitierte sie in ihrer Predigt das Motto einer früheren Werbekampagne des Handwerks: "Gott schuf Himmel und Erde, den Rest haben wir gemacht." Das aktuelle Motto "Wir wissen, was wir tun" würden die Handwerker immer wieder deutlich unter Beweis stellen. 

Auch die Dekanin ging in ihrer Predigt auf die Geschichte von der Ausbesserung des Tempels ein. Dass es besser sei, Handwerker zu beauftragen und nicht den Pfarrer die Arbeiten verrichten zu lassen, könne man in der frisch renovierten Vöhler Kirche sehen. Die biblische Geschichte ende mit der Redewendung "Auf Treu und Glauben" - damals hätten die Handwerker keine Rechenschaft ablegen müssen über das Geleistete. "Der König vertraut seinen Handwerksmeistern. Und die Handwerksmeister vertrauen ihren Gesellen." Und der Anspruch aller Handwerker sei es, all ihr Wissen und ihr Können in ihre Arbeit hineinzulegen. "Das gebietet ihnen ihre Ehre. Auf Treu und Glauben." Dies habe sich verändert, sagte Eva Brinke-Kriebel, und vermutlich würden nur noch die älteren Handwerker die Zeiten kennen, in denen Verträge per Handschlag geschlossen wurden. Aber geblieben sei, dass "das Vertrauen wichtig ist. Und dass man dem Handwerk vertrauen kann", sagte die Dekanin. Auch beim Thema Ausbildung sei Vertrauen wichtig. Und dabei, als Handwerker auf seine Stärken und Fähigkeiten vertrauen zu können. Dabei könne man auf den Beistand und die Begleitung Gottes vertrauen. "Auf Treu und Glauben. Das verbindet Kirche und Handwerk", sagte die Dekanin, "und da haben sich tatsächlich die richtigen

gefunden." Brinke-Kriebel schloss mit den Worten, die den Handwerkern im Gottesdienst viel bedeuteten: "Gott segne das ehrbare Handwerk." Nach dem gemeinsam gesungenen Handwerkerchoral sprachen Pfarrer Eisenberg und mehrere örtliche Handwerker  die Fürbitten, in denen es unter anderem um den Dank für Arbeit, Fähigkeiten, Feierabend, Freundlichkeit und Frieden ging - letzteres hatte nach den Ereignissen von Hanau und Volkmarsen eine besondere Bedeutung. 

 

"Handwerkern aus der Seele gesprochen"

"Sie haben vielen Handwerkern aus der Seele gesprochen", sagte an die Dekanin gewandt Kreishandwerksmeister Ulrich Mütze in seinen Schlusswort. Mütze dankte für die Gastfreundschaft in Vöhl, seinen Berufskollegen für das Mitwirken im Gottesdienst und dem evangelischen Bläserchor Marienhagen unter der Leitung von Johanna Tripp für die musikalische Ausgestaltung. Nicht ohne Stolz griff Mütze das Motto des Abends auf und reklamierte für das heimische Handwerk: "Wir wissen, was wir tun. Das macht gelassen und demütig." Eine Kostprobe handwerklichen Könnens im wahrsten Wortsinne konnten die Besucher nach dem Gottesdienst genießen: Die Besucher ließen sich Brot und Brötchen der Bäckerei Raabe aus Herzhausen, belegt mit Aufschnitt aus der Produktion der Vöhler Metzgerei Schneider, schmecken. Im geselligen Teil informierte der Malermeister Hartmut Bugdoll über ein Kirchenburgen-Projekt in Rumänien: In Pretai werden jungen Menschen handwerkliche Kenntnisse vermittelt. Die Kollekte aus dem Handwerksgottesdienst kommt diesem Projekt zugute.


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