Gedanken zum Buß- und Bettag

Von Dekanin Eva Brinke-Kriebel

 

Heute ist Mittwoch. Der Mittwoch zwischen Volkstrauertag und Ewigkeitssonntag. Heute ist Buß- und Bettag. Man vergisst es leicht, denn es ist ja schon lange kein Feiertag mehr. Er ist 1995 abgeschafft worden zur Finanzierung der Pflegeversicherung. Das hat sich schnell durchgesetzt. Einen Weihnachtstag zu streichen - das hätte wohl stärkeren Widerstand ausgelöst als einen Tag, der uns durch sein Thema individuell und persönlich, als Kirche und auch als Gesellschaft durchweg “in Frage stellt“. Buße tun, das hört sich eher altmodisch an, so als beträfe es uns heute nicht mehr. Ist das so?
Gibt es nichts, was wir uns fragen müssten – ganz persönlich, als Kirche oder als Gesellschaft?
Der Buß- und Bettag macht ganz deutlich, dass es nicht egal ist, wie wir leben. Dass es Gott nicht egal ist. Er fragt uns danach, wie es steht mit unserem Tun und Denken, ob wir uns einsetzen für Frieden und Gerechtigkeit, für die Bewahrung der Schöpfung, für Solidarität und Nächstenliebe im Kleinen wie im Großen.

Dekanin Eva Brinke-Kriebel.

(Archivfoto: Sascha Pfannstiel)

Und wer mutig ist, der lässt sich danach fragen. Und der entdeckt auch schnell, dass da bei allen Bemühungen immer noch „Luft nach oben“ ist.

Aber wie wichtig ist es doch, einfach mal inne zu halten und nachzudenken über das eigene Tun und darüber, wo wir als Gesellschaft in die falsche Richtung triften. Und vielleicht hier und da eine Kurskorrektur vornehmen. Genau das heißt Buße tun: sich fragen und auch fragen lassen: bin ich eigentlich auf dem richtigen Weg? Habe ich etwas versäumt oder bin ich jemandem etwas schuldig geblieben? Muss ich nicht vielleicht etwas verändern in meinem Leben, eine neue Richtung einschlagen? Das gilt für uns persönlich genauso wie gesellschaftlich. Es liegt eine große Chance in der eingestandenen Schuld und damit auch in diesem so wichtigen Buß- und Bettag. Ich kann mir meine Versäumnisse und meine Fehler vor Gott eingestehen. Das ist manchmal schmerzlich, aber nur so kann ich neu anfangen und dann wirklich erste Schritte auf anderen, neuen Wegen gehen. Der ehrliche Blick zurück eröffnet mir eine neue Zukunft.
Wir dürfen darauf vertrauen, dass Gott uns zu diesem Schritt die nötige Kraft gibt und uns in diese Zukunft hinein begleitet.

 

Mehr zum Thema: busstag.de



 
 
 
 
 
 

Obwohl es am Samstag bei der Synode des Kirchenkreises Twiste-Eisenberg in der Berndorfer Mehrzweckhalle erlaubt war, an den Sitzplätzen die Mund-Nasen-Bedeckung abzulegen, trugen die meisten Synodalen die Masken während der gesamten Sitzung.

(Foto: Sascha Pfannstiel) 

Antrag: "Vakanz-Geld" soll vor Ort zur Verfügung stehen

26.10.2020 Unter strenger Einhaltung der Corona-Regeln hat am Samstag das Parlament des Kirchenkreises Twiste-Eisenberg, die Kreissynode, in der Mehrzweckhalle getagt. Inhaltlich stand vor allem der Haushaltsplan für das laufende und kommende Jahr auf der Tagesordnung, die Sitzung war geprägt von Maske, Abstand und Hygiene. 

 

Sie sei geschockt von den steigenden Infektionszahlen auch in Waldeck-Frankenberg, sagte die im Januar neu gewählte Vorsitzende (Präses) Martina Steuber zu Beginn der Sitzung. Die Halle in Berndorf biete jedoch alle Möglichkeiten, die Synode im zulässigen Rahmen abzuhalten - und damit die Mitglieder auch keinen unnötigen Risiken auszusetzen. So war das Betreten der Mehrzweckhalle nur nach Hände-Desinfektion und mit Mund-Nasen-Bedeckung gestattet, die Stühle waren in weitem Abstand gestellt, es standen lediglich kalte Getränke aus verschlossenen Flaschen bereit, Kaffee und Brötchen gab es wie sonst üblich nicht. Ein Imbiss war in Tüten verpackt, die Halle dauerhaft gelüftet. 

 

"Demokratie in der Kirche"

Martina Steuber gab zum Auftakt Worte des hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier wieder, wonach die Demokratie der Pandemie nicht weichen dürfe. Die Synode, sagte die Vorsitzende, sei ein "Zeichen für Demokratie in der Kirche." Außerdem habe man einige wichtige Beschlüsse zu fassen, so müsse der Haushalt für 2020 und 2021 verabschiedet werden. Von den rund 100 stimmberechtigen Synodalen waren am Samstag 60 anwesend, damit war das Gremium beschlussfähig - und der Abstand zwischen den einzelnen Mitgliedern noch größer als ohnehin vorgesehen. Propst Helmut Wöllenstein aus Marburg hatte seine Teilnahme mit Blick auf das Infektionsgeschehen abgesagt. 

Der Synode gehören kraft Amtes sämtliche Pfarrerinnen und Pfarrer aus dem Kirchenkreis ebenso wie Dekanin Eva Brinke-

Kriebel an, außerdem entsenden die Kirchenvorstände der einzelnen Gemeinden
je zwei Mitglieder pro Pfarrstelle. Das Gremium ist, verglichen mit der Politik, das Parlament des Kirchenkreises. 

 

Die Dekanin hatte vor der Sitzung einen schriftlichen Bericht aus dem Kirchenkreis-

vorstand an die Synodalen verschickt. Darin blickte sie unter anderem auf den Besuch von Bischöfin Dr. Beate Hofmann im Kirchenkreis und die Gottesdienste zum 20-jährigen Bestehen der Notfallseelsorge im Landkreis zurück - diese war vor allem nach der Auto-Attacke beim Karnevalsumzug in Volkmarsen sehr gefragt. Weiteres Thema waren die Einschränkungen während des Corona-Lockdowns und die daraus erwachsenen Angebote der Kirchen wie Gottesdienste in der Tüte, Video- und Telefon-Andachten und vieles mehr. Dank richtete die Dekanin an die Kindertagesstätten für deren professionelles Handeln unter ständig wechselnden Rahmenbedingungen. Brinke-Kriebel ging auch auf personelle Veränderungen im Kirchenkreis ein: So übernahm Winfried Schiel in Personalunion die Stelle des Diakoniepfarrers und des Geschäftsführers beim Diakonischen Werk Waldeck-Frankenberg. Neu sind auch Jugendarbeiterin Katrin Petereit, die im Altkirchenkreis Twiste tätig ist, und Sascha Pfannstiel als Referent für Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenkreis. Nach dem Wechsel von Pfarrerin Anne-Rieke Palmié nach Kassel ist die Pfarrstelle in Külte-Schmillinghausen voraussichtlich noch längere Zeit vakant. Eine weitere Vakanz steht laut Dekanin im Kirchspiel Sachsenberg an, der dortige Pfarrer Friedemann Graß wechselt in den Kirchenkreis Kirchhain. 

 

Einnahmen und Ausgaben von 3 Mio

Der Leiter des Kirchenkreisamtes, Bernd Merhof, stellte den Synodalen den Haushalt für dieses und nächstes Jahr vor. In beiden Haushaltsjahren verbucht der Kirchenkreis dem Zahlenwerk zufolge Einnahmen von je 

 

rund drei Millionen Euro - überwiegend aus Zuweisungen der Landeskirche, haupt-

sächlich also Kirchensteuern. Der Kirchenkreis gibt in beiden Jahren laut Haushaltsentwurf auch jeweils rund drei Millionen Euro aus. Mehr als zwei Drittel davon fließen an die Kirchengemeinden und Gesamtverbände. Jeweils mehr als eine halbe Million Euro muss der Kirchenkreis in den beiden Haushaltsjahren an Personalkosten für die eigenen Mitarbeitenden aufwenden. Um die beiden Haushalte auszugleichen, muss der Kirchenkreis in diesem Jahr rund 22.000 Euro und im kommenden rund 31.000 Euro aus Rücklagen entnehmen. Den aktuellen Stand der Rücklagen bezifferte Merhof mit rund 2,3 Millionen Euro, die weitestgehend zweckbestimmt sind - vor allem für die kirchlichen Gebäude. Die Synode nahm das Zahlenwerk bei einer Enthaltung an. Zuvor waren bereits die Abschlüsse für die Jahre 2015 bis 2017 beschlossen worden. 

 

 

"Wir brauchen Leute vor Ort"

Um Finanzen ging es auch in einem Antrag, den die Dekanin einbrachte. Sie erklärte den Synodalen, dass Vakanzen, also nicht besetzte Pfarrstellen, immer häufiger und länger andauern würden. Dem Antrag zufolge sollen die Personalkosten nicht mehr von der Landeskirche eingespart, sondern dem Kirchenkreis zur Verfügung gestellt werden. Von diesem Geld könnten zum Beispiel Gemeindereferenten in der Jugend- oder Erwachsenenbildung finanziert werden. Es gehe um mehr Handlungsspielraum und Flexibilität vor Ort, wovon die Menschen in den einzelnen Gemeinden profitierten. "Wir brauchen Leute vor Ort", machte auch die Volkmarser Pfarrerin Britta Holk deutlich. Der Antrag stieß auf entsprechend breite Zustimmung, allerdings soll noch deutlicher formuliert werden, wo genau das Geld der Landeskirche Verwendung findet. Ob es aber überhaupt fließt, steht noch nicht fest. Zunächst muss sich die Landessynode mit dem Antrag befassen. 



14 neue Jugendleiter im Kirchenkreis Twiste-Eisenberg

Die Juleica-Grundausbildung erfolgreich absolviert (von links): Dominik Engler (Rhoden), Lena Hillenbrand (Schmillinghausen), Paula Kleinschmidt (Bad Arolsen), Joy Kann (Dorfitter), Til Knipp (Goddelsheim), Stina Hoffmann (Schmillinghausen), Gemeindereferentin Petra Ullrich, Hendrik Maile (Bad Arolsen), Gemeindereferentin Katrin Petereit, Sylva Gasperova (Korbach), Luca von Hagen (Bad Arolsen), Coa-Celine Gutschank, Gemeindereferentin Claudia Vach, Lena Ständecke (Rhoden), Antonia von der Emde (Mengeringhausen), Ksenia Dyck (Helmighausen) und Lena Bernhard (Bad Arolsen).  (Foto: privat)

Kinder- und Jugendgruppen leiten, Konfirmandenfahrten und Freizeiten begleiten, Ferienprogramme durchführen, Jugendgottesdienste gestalten und vieles mehr - es gibt vielfältige Möglichkeiten für ehrenamtliches Engagement in der Evangelischen Jugend im Kirchenkreis Twiste-Eisenberg. Eines haben alle Aktionen gemeinsam: Eine gute Ausbildung der ehrenamtlich arbeitenden Jugendlichen ist eine wichtige Voraussetzung. 

 

Diese Ausbildung erhielten 14 Jungen und Mädchen ab 14 Jahren bei der 5-tägigen JuLeiCa-Grundausbildung Anfang Oktober im Christlichen Gästehaus in Usseln. Neben Grundlagen der Spielepädagogik, der

Kommunikation und der Religionspädagogik waren auch rechtliche Grundlagen der Jugendarbeit und die Gefährdung des Kindeswohls Inhalte, die die Jugendlichen zu Gesprächen und Diskussionen anregten. Vor allem ging es während der Freizeit darum, dass die Teilnehmenden ihre Stärken und Grenzen entdecken und ausprobieren konnten. Während der gesamten Zeit stand das Lernen und Arbeiten im Team im Vordergrund. 

Zum Abschluss gestalteten die Teilnehmenden einen Gottesdienst, in dem sie ihre Zertifikate überreicht bekamen. Geleitet wurden die Ausbildungstage von den Gemeindereferentinnen Petra Ullrich, Katrin Petereit und Claudia Vach.

Nach Abschluss des Grundkurses können die Jugendlichen die Jugendleiter-Card beantragen. Die sogenannte JuleiCa basiert auf bundesweit geltenden Ausbildungs-standards und weist die Jugendlichen als qualifizierte Ehrenamtliche aus.

 

Die Juleica-Grundausbildung wird auch im nächsten Jahr in der ersten Woche der hessischen Herbstferien stattfinden. Wer Interesse hat, erhält Infos bei der Ev. Jugend im Gesamtverband Lichtenfels/Eisenberg, Claudia Vach, Tel. 05636/993875, oder bei der Ev. Jugend im Kirchenkreis Twiste-Eisenberg, Petra Ullrich, Tel. 05691/628258. Infos stehen auch auf der Seite ev-jugend-twiste-eisenberg.de.



Orgelwoche: Eintrittskarte kostenlos, aber notwendig

Gestalten die Konzerte der Orgelwoche (von links): Hartmut Siebmanns aus Niebüll, Jan und Rita Knobbe aus Bad Arolsen sowie Stefan Kammerer aus Korbach. (Fotos: privat) 

01.10.2020 Die Kuhn-Orgel in der Kilianskirche in Korbach ist ein auch überregional bedeutendes Instrument, immer wieder bekommt die Gemeinde Anfragen von Organisten, die gerne darauf spielen möchten. Seit dem Bestehen der Kuhn-Orgel gibt es die jährliche Konzertreihe "Korbacher Orgelwoche". Eine Woche mit verschiedenen Orgelkonzerten von Künstlern aus der Region und von auswärts. Trotz der coronabedingten Einschränkungen kann und soll die Konzertreihe auch in diesem Jahr fortgesetzt werden, und zwar in der Zeit vom 18. bis 25. Oktober. 

 

Kantor und Kilians-Organist Stefan Kammerer hat wieder ein vielfältiges Programm zusammen gestellt, das die Kuhn-Orgel in ihrer ganzen klanglichen Vielfalt zeigt. Der Eintritt ist zu allen Konzerten der Orgelwoche ist frei, am Ausgang bitten die Veranstalter aber um eine Kollekte. Allerdings ist der organisatorische Aufwand wegen der 

Auflagen immens. Einheimische werden daher gebeten, sich kostenlose Eintrittskarten für die Konzerte in der Buchhandlung CoLibri, Professor-Kümmell-Straße 8, zu besorgen, die persönlichen Daten auf diese Karte zu schreiben und sie beim Konzert am Eingang abzugeben. Jeder (auch Kinder) braucht eine eigene Eintrittskarte. Auswärtige können unter Angabe von Name, Adresse und Telefonnummer Karten per Mail bestellen: karten-vorbestellen@online.de. 

 

Folgende Konzerte sind bei der neunten Auflage der Reihe vorgesehen:

 

Sonntag, 18. Oktober, 17 Uhr:

"Unbekannte Meisterwerke". Hartmut Siebmanns aus Niebüll spielt Musik, die kaum jemand kennt, aber jeder kennen sollte. Zum Beispiel die Reformations-symphonie von Daniel Gawthrop oder den Konzertrag "Mein Beethoven" von Andreas Willscher. 

Donnerstag, 22. Oktober, 17 Uhr: 

"Young person's guide to the organ". Locker angelehnt an Benjamin Brittens Meisterwerk "Young person's guide to the orchestra" spielt Kantor Stefan Kammerer Variationen über Henry Purcells Rondo aus "Abdelazer", die alle Klänge der Orgel vorführen. Nicht nur, aber vor allem für Kinder.

Samstag, 24. Oktober, 19 Uhr:

"Querbeet" mit Kantor Stefan Kammerer. Musik, die Spaß macht - aus drei Jahrhunderten. Bachs Orgelkonzert a-moll (nach Vivaldi) trifft auf Rheinbergers feierliche 5. Orgelsonate und Franz Schmidts grandiose Toccata in C-Dur.

Sonntag, 25. Oktober, 17 Uhr:

"Französische Orgelromantik". Jan und Rita Knobbe aus Bad Arolsen spielen die "Drei Choräle" von César Franck. Francks Orgelschaffen war richtungweisend für die Entwicklung der französischen Orgelmusik im 19. Jahrhundert. Und es lässt sich in dieser Region nirgends überzeugender darstellen als auf der Kuhn-Orgel im Kilian. 



"Mit Mut, Freude und Phantasie die Diakonie weiter entwickeln"

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Oberlandeskirchenrätin Claudia Brinkmann-Weiß (Mitte) sowie die Dekaninnen Eva Brinke-Kriebel (l.) und Petra Hegmann führten Diakoniepfarrer Winfried Schiel am Sonntag in der Kilianskirche ins Amt ein. 

(Foto: Sascha Pfannstiel)

31.08.2020  Seit 1. Juli ist Winfried Schiel Geschäftsführer des Diakonischen Werkes Waldeck-Frankenberg. Zugleich ist der 61-Jährige der neue Diakoniepfarrer im Landkreis. Am Sonntag wurde er in einem Festgottesdienst ins Amt eingeführt.

 

Zuletzt bekleideten Maren Jahnke (Twiste-Eisenberg) und Klaus-Jürgen Fackiner (Eder) je eine halbe Diakoniepfarrstelle. Der Armsfelder Pfarrer ist in den Ruhestand getreten, seine Kollegin aus Mengering-hausen wechselte zum Bad Arolser Bathildisheim. Anfang Juli übernahm Winfried Schiel die Aufgaben des Diakonie-pfarrers in beiden Kirchenkreisen und die des Geschäftsführers beim Diakonischen Werk mit Sitz in Korbach.

Oberlandeskirchenrätin Claudia Brinkmann-Weiß blickte auf die beruflichen Stationen des gebürtigen Oberfranken zurück, der sein Vikariat in Mengeringhausen absolvierte und 1993 ordiniert wurde. Zuletzt war Schiel als Gemeindepfarrer in Fuldabrück und Diakoniepfarrer in den Kirchenkreisen Hofgeismar-Wolfhagen und Kaufungen sowie im Diakonischen Werk in der Region Kassel tätig.

Nach Waldeck-Frankenberg bringe der neue Diakoniepfarrer und DW-Geschäftsführer eine "Fülle an Lebens- und Diensterfahrung mit", sagte Brinkmann-Weiß in der Kilianskirche. Diese Erfahrung sei auch notwendig, schließlich sei die neue Tätigkeit herausfordernd und vielseitig. Man müsse den Bedarf der Menschen, die die Diakonie konsultieren, erkennen und entsprechen, das Wohl der Mitarbeiter im Blick haben und nicht zuletzt wirtschaftlich solide arbeiten, sagte die Oberlandeskirchenrätin im Gottesdienst. "Das ist keine einfache Aufgabe", dennoch sei Schiel mit großer Freude angetreten. 

Zum diakonischen Handeln sagte die Vertreterin der Landeskirche, man widme sich den Menschen, die "an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden." Man praktiziere ganz praktische Nächstenliebe von Mensch zu Mensch, "wir setzen uns ein für ein Leben in Gerechtigkeit und Würde." Diakonisches Wirken sei in den aktuellen Zeiten besonders wichtig, "denn in unserer Gesellschaft ist so einiges in Bewegung", sagte Brinkmann-Weiß. Sie wünschte Schiel, er möge "die Diakonie mit Mut, Freude und Phantasie in der Region weiter entwickeln."

Gemeinsam mit den Dekaninnen Eva Brinke-Kriebel (Twiste-Eisenberg) und Petra Hegmann (Eder) führte die Oberlandeskirchenrätin den neuen Diakoniepfarrer ins Amt ein und verpflichtete ihn für seinen Dienst. 

In seiner Predigt schilderte Winfried Schiel unter anderem auch das breit gefächerte Angebot der Diakonie - so gehören Suchtberatung und -prävention, Schwan-gerenberatung, Flüchtlingsberatung und die Kirchliche Allgemeine Sozial- und Lebens-beratung mit ihren vielen Themenfeldern zu den Kernaufgaben. Beratung und Unter-stützung sei vielen Klienten eine große Hilfe. Für die Arbeit in Korbach, Bad Arolsen, Bad Wildungen und Frankenberg mit insgesamt 24 Mitarbeitern sei das Diakonische Werk auf finanzielle Hilfe angewiesen - Geschäftsführer Schiel dankte im Gottesdienst den Städten und Gemeinden, dem Landkreis, den Kirchenkreisen und der Landeskirche für die finanzielle Zuwendung. "Ohne diese Hilfe wäre unsere Arbeit nicht möglich", verdeutlichte er. 

Musikalisch schmückte Bezirkskantor Stefan Kammerer den Festgottesdienst aus.

Sascha Pfannstiel



Kollekten im Kirchenkreis erbringen über 50.000 Euro für Hilfswerk

Hilfsprojekt für Kinder und Jugendliche im Umfeld einer Mülldeponie in Mosambik.                                                                    Fotos: Brot für die Welt

Das Hilfswerk unterstützt auch die als Don Arturo Alba Sr. Elementary School bezeichnete Grundschule im Ort Canlandog (Philippinen). 


27.08.2020 Die Aktion "Brot für die Welt" hat im vergangenen Jahr in der Landeskirche von Kurhessen-Waldeck 1,75 Millionen Euro an Spenden verbucht. Allein die Kollekten aus den Kirchenkreisen betrugen rund 913.000 Euro. Die Kollekten im Kirchenkreis Twiste-Eisenberg summierten sich auf insgesamt 51.437,33 Euro.

 

„Wir sind sehr dankbar für das große Vertrauen der Spenderinnen und Spender in Brot für die Welt auch im Jahr 2019. Mit ihren Spenden und Kollekten haben sie zum Kampf gegen Hunger, Armut und Ungerechtigkeit beigetragen und Millionen Menschen in mehr als 90 Ländern geholfen, ihre Lebenssituation zu verbessern“, sagt Brigitte Molter, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit für Brot für die Welt in Kurhessen-Waldeck und Hessen und Nassau.

Nach Angaben des Hilfswerkes haben Spenderinnen und Spender die Arbeit von 

Brot für die Welt im vergangenen Jahr mit rund 64,4 Millionen Euro unterstützt. Das ist ein Anstieg von 800.000 Euro gegenüber dem Vorjahr (2018: 63,6 Millionen Euro).

Neu bewilligt wurden im vergangenen Jahr 693 Projekte, davon mit 242 die meisten in Afrika. Im Zentrum stehen langfristige Maßnahmen, die Hunger und Mangelernährung überwinden, Bildung und Gesundheit fördern, Zugang zu sauberem Wasser schaffen, die Achtung der Menschenrechte und Demokratie stärken und den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen unterstützen.

Neben Spenden und Kollekten erhielt Brot für die Welt im Jahr 2019 Zuwendungen des Kirchlichen Entwicklungsdienstes und Beiträge Dritter, vor allem aus dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Insgesamt standen dem Hilfswerk der evangelischen Kirchen und Freikirchen im Berichtsjahr 312,6 Millionen Euro zur 

Verfügung, das waren gut fünf Millionen Euro mehr als 2018 (307,3 Millionen Euro).

Die Gesamtausgaben für Projekte betrugen 281,8 Millionen Euro, was einem Anteil von 91,6 Prozent entspricht. Auf Werbe- und Verwaltungsaufgaben entfielen 8,4 Prozent der Gelder. Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) bewertet diesen Anteil als niedrig.

 

Seit 1959 weltweit tätig

Brot für die Welt wurde 1959 gegründet. Aktuell fördert das weltweit tätige Hilfswerk der evangelischen Landes- und Freikirchen und ihrer Diakonie gemeinsam mit seinen Partnerorganisationen rund 1.800 Projekte zur Überwindung von Hunger, Armut und Ungerechtigkeit in mehr als 90 Ländern.

__________________________________________

Weitere Informationen mit aktuellem Jahresbericht finden Sie hier:
Homepage Brot für die Welt



"Menschen in Not stützen, stärken und für sie da sein"

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Blick in die Leitstelle im Korbacher Kreishaus: Von hier aus alarmieren Disponenten wie Stephan Sommerlad die Pfarrerinnen und Pfarrer der Notfallseelsorge. Links im Bild Gerhard Biederbick, Fachdienstleiter für Rettungsdienst, Brand- und Katastrophenschutz. 

(Foto: Sascha Pfannstiel)  

20.08.2020 Seit 20 Jahren gibt es im Landkreis Waldeck-Frankenberg die Notfallseelsorge, um Menschen in außergewöhnlichen Belastungssituationen beizustehen. In den Kirchenkreisen Twiste-Eisenberg und Eder sind es Pfarrerinnen und Pfarrer, die auf Anforderung von Polizei, Ärzten, Rettungskräften oder Feuerwehr ausrücken. Im Oberen Edertal leisten überwiegend ehrenamtliche Feuerwehrleute mit Zusatzqualifikation den nötigen Beistand nach Notfällen. 

 

Die Notfallseelsorger rückten nach Auskunft von Kreisbrandinspektor Gerhard Biederbick im Jahr 2018 zu 66 Einsätzen im gesamten Landkreis aus, 2019 waren es 56 Fälle. Dies erfolgt zum Beispiel nach häuslichen Notfällen oder schweren Verkehrsunfällen mit Todesfolge, gemeinsam mit der Polizei beim Überbringen einer Todesnachricht oder auf Anforderung von Rettungskräften und Feuerwehrleuten bei oder nach belastenden Einsätzen. "Es geht darum, Menschen zu stützen, zu stärken, für sie da zu sein, ihnen Hilfe zu bieten", erläuter Pfarrer Jörg Schultze (Diemelsee), seit vielen Jahren Beauftragter für Notfallseelsorge im Kirchenkreis Twiste-Eisenberg. Man trage dazu bei, dass die Betroffenen "in ein Netz fallen, nicht aber hart auf den Boden." Dieser Dienst am Menschen sei daher "einfach total wichtig." Wenn der Wunsch bestehe, dass ein Pfarrer vor Ort sein soll, greife das vor 20 Jahren im Kreis installierte System der Notfallseelsorge. Innerhalb der Landeskirche von Kurhessen-Waldeck gehört laut Schultze die Notfallseelsorge zum Dienstauftrag einer Pfarrerin oder eines Pfarrers dazu. "Für mich ist der Dienst eine Herzensangelegenheit."

 

Eine Woche rund um die Uhr Bereitschaft

Jeweils für eine Woche rund um die Uhr übernimmt einer seiner Kollegen im Kirchenkreis den Bereitschaftsdienst, ein weiterer die Vertretung. Wird der Notfallseelsorger dann angefordert, versucht der alarmierte Pfarrer zunächst, einen Kollegen vor Ort zu erreichen. "Wir haben zwar keine Hilfsfrist wie der

Rettungsdienst oder die Feuerwehr, wollen aber so rasch wie möglich da sein", erklärt Pfarrer Schultze und weist auf die große Fläche des Kirchenkreises hin. Er selbst hat bei diesen Einsätzen stets einen Teddy dabei, falls Kinder betroffen sind, Taschentücher und ein Buch mit Gebeten. Um sich an einer Unfall- oder Brandstellen zu erkennen zu geben, ziehen die Pfarrer eine violette Weste mit dem Schriftzug "Notfallseelsorge" über. Den Talar trage man nicht, einige Kollegen würden aber zum Beispiel bei der Aussegnung eines Verstorbenen eine Stola tragen. "Damit zeige ich, dass ich nicht nur als Mensch da bin, sondern als Pfarrer", erklärt Jörg Schultze, dann sei auch Gott da.

 

Bei Amokfahrt in Volkmarsen

Außergewöhnliche Einsätze im laufenden Jahr waren seinen Angaben zufolge der Vorfall beim Rosenmontagsfestzug in Volkmarsen, wo ein Mann mit seinem Wagen in die Menschenmenge fuhr, oder ein schwerer Verkehrsunfall in der Großgemeinde Diemelsee mit mehreren jungen Todesopfern. In solch gravierenden Fällen sei die Kirche mit mehreren Notfallseelsorgern vor Ort, um sich der Betroffenen anzunehmen und ihnen beizustehen. Manchmal bete man gemeinsam, manchmal schweige man zusammen, manchmal weine man auch gemeinsam und "manchmal reicht es aus, einfach da zu sein." Die Seelsorge sei in ihrer jeweiligen Form so individuell wie das Schicksal, das dahinter stecke. In einigen Fällen würden die Betroffenen auch ganz genau sagen, was ihnen in diesem Moment gut tue, Trost und Zuversicht spende. Positive Rückmeldungen gebe es vor allem immer wieder von Einsatzkräften, die die Notfallseelsorge inzwischen ganz selbstverständlich anforderten - direkt zum Einsatzort oder auch für Nachgespräche. Das sei nicht immer so gewesen. 

Nach Auskunft von Kreisbrandinspektor Gerhard Biederbeck, Fachdienstleiter für Rettungsdienst, Brand- und Katastrop-henschutz, laufen die Alarmierungen der

 

Pfarrerinnen und Pfarrer in der Notfallseel-sorge über die Rettungsleitstelle. Die Anforderungen kämen direkt von der Einsatzstelle, von Polizei, Notarzt, Rettungs-dienst oder Feuerwehr. Die Disponenten informieren laut Biederbick den dienst-habenden Notfallseelsorger oder seinen Vertreter, zusätzlich erhalten die Beauftragten der Kirchenkreise eine SMS mit den nötigen Informationen. Wie Pfarrer Jörg Schultze berichtet, sind aktuell im Kirchenkreis Twiste-Eisenberg 25 Pfarrerinnen und Pfarrer der Landeskirche und der Freikirche im Dienstplan, bei Bedarf würden auch katholische Geistliche hinzu gerufen. 

Um auf den Dienst als Notfallseelsorger vorbereitet zu sein, gab es zu seiner Zeit besondere Fortbildungen, erklärt Pfarrer Schultze. Inzwischen sei dies Teil der Vikarsausbildung. Trotz aller Vorbereitung und Professionalität "gibt es Einsätze, die einem lange nachhängen", gesteht der Diemelseer Pfarrer ein. Auch eine ganz andere Belastung spricht der Beauftragte für Notfallseelsorge im Kirchenkreis offen an: Die Zahl der Pfarrerinnen und Pfarrer werde immer weniger, die Aufgaben würden immer mehr und die Gebiete, für die man zuständig sei, immer größer. Einige seiner Kolleginnen und Kollegen hätten zum Beispiel auch Probleme, während ihrer Bereitschaftswoche ruhig schlafen zu können - wegen der hohen Verantwortung oder aus Angst davor, einen Anruf zu verpassen. Im Süden der Landeskirche von Kurhessen-Waldeck gibt es den Angaben zufolge derzeit ein Projekt, Laien in die Notfallseelsorge einzubinden. Dies könne Entlastung bringen. 

 

Sowohl in Frankenberg als auch in Korbach gibt es am Mittwoch, 26. August, Feierstunden zum 20-jährigen Bestehen der Notfallseelsorge im Landkreis. An der Zeremonie in Korbach nimmt auch der damalige Eisenberg-Dekan Bernd Böttner teil, der sich seinerzeit intensiv für die Einrichtung dieses kirchlichen Angebotes im Landkreis engagierte. 

Sascha Pfannstiel



Neues Leben unter der Kirche: 420.000 Euro Förderung

 
 
 
 

Einen Förderbescheid über rund 420.000 Euro überreichte die hessische Ministerin Priska Hinz in Willingen. Das Geld fließt in das gemeinsame Projekt von Kirchengemeinde, Pflegehotel und dem Gesundheitsnetzwerk Port Willingen-Diemelsee. Im Untergeschoss der Kirche, links im Bild, entsteht ein Gesundheits- und Begegnungszentrum. 

(Foto: Sascha Pfannstiel)

Bei diesem Projekt gibt es nur Gewinner: Die Kirchengemeinde Willingen öffnet die Räume unter der Kirche am Neuen Weg für das benachbarte Pflegehotel. Neue Angebote und auch gemeinsame Aktivitäten sollen dort künftig möglich sein. Das Gesundheitsnetzwerk Port Willingen-Diemelsee ist ebenfalls beteiligt und wird mit Büros für Beratungen vertreten sein. Das Land Hessen fördert das Projekt mit rund 420.000 Euro. Die für die ländliche Entwicklung zuständige Ministerin Priska Hinz übergab einen entsprechenden Bewilligungsbescheid aus dem Leader-Programm. 

 

Pfarrer Christian Röhling bezeichnete die Förderung als finanziellen Grundstein für ein Projekt, das die Kirchengemeinde gemeinsam mit dem seit 2008 in unmittelbarer Nachbarschaft zur Kirche ansässigen Pflegehotel geplant habe. Die Senioreneinrichtung benötige für verschiedene Aktivitäten und Angebote Raum, über den die Kirche verfüge und den sie im Rahmen des Projektes zur Verfügung stelle. Entstehen soll ein Gesundheits- und Begegnungszentrum, das nicht nur der Kirche und dem Pflegehotel dienen werde, sondern auch der Öffentlichkeit: Bislang kommen in den Räumen unter der Kirche verschiedene Gruppen aller Generationen zusammen und der Gesangverein Concordia probt dort, künftig wird es zudem Vorträge, Bildungsangebote oder Rehasport geben, 

außerdem entsteht ein öffentliches Begegnungscafé. Die Lage der Kirche spielt laut Pfarrer Röhling eine zentrale Rolle: So werde das entstehende Zentrum der Mittelpunkt eines Gesundheitscampus sein, zu dem das Ärztehaus, die Upland-Apotheke, die Seniorenresidenz „Haus am Kurpark“, die Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe, die Grundschule und die evangelische Kindertagesstätte Willingen. Mit von der Partie ist daher auch das Gesundheitsnetzwerk Port Willingen-Diemelsee, das in den neu gestalteten Räumen zwei Büros betreiben wird. 

Die Grünen-Ministerin Priska Hinz betonte bei der Übergabe des Förderbescheids, das Land wolle mit der finanziellen Unterstützung den ländlichen Raum "noch lebenswerter machen für Junge und Alte" und Anreize schaffen, "hier zu bleiben oder zurück zu kommen." In der Willinger Kirchengemeinde schaffe man Mehrwert durch ein gemeinsames Projekt, bei dem "alle gewinnen." Das Projekt werde Menschen zusammenbringen, der Öffentlichkeit dienen und einen Zugang zu guter medizinischer Versorgung schaffen, betonte die Ministerin. Hinz wünschte "viel Erfolg, viele schöne Angebote und fruchtbare Begegnungen." 

Dekanin Eva Brinke-Kriebel bezeichnete das geplante Gesundheits- und Begegnungszentrum als "große Chance" und dankte den Akteuren vor Ort. Für die Kirche sei es schwer, Gebäude zu erhalten und zu 

nutzen. Umso mehr sei das sinnvolle Projekt ein großer Glücksfall. Hier würden alle bisherigen Aktivitäten fortgesetzt und neue geschaffen. "Das ist sozial-diakonische Arbeit, wie wir sie uns wünschen", unterstrich die Dekanin. Sie würdigte in ihren Grußworten zudem die gute Zusammenarbeit zwischen kirchlicher und politischer Gemeinde Willingen. 

Deren Vertreter, der Erste Beigeordnete Manfred Stremme, nannte die Förderung aus dem Leader-Topf eine "wertvolle Unterstützung für zukunftsfähige Konzepte." Ministerin Hinz solle sich dafür einsetzen, dass diese Gelder auch weiterhin unbürokratisch und schnell dorthin fließen, wo sie gebraucht würden. Der Fachdienstleiter für Dorf- und Regionalentwicklung beim Landkreis, Dr. Jürgen Römer, lobte das Projekt, das gut in den ländlichen Raum passen und gesellschaftliches Leben stärken werde. Ingrid Potthoff, Versorgungslotsin bei Port Willingen-Diemelsee, stellte die Arbeit des Netzwerks vor. Sie sei sehr froh über den neuen generationenübergreifenden Gesundheitscampus. 

Nach der Übergabe des Bescheids von Ministerin Priska Hinz an Dekanin Eva Brinke-Kriebel und den stellvertretenden Vorsitzenden des Kirchenvorstands, Christian Hellwig, erläuterte Architekt Dominic Stremme die Pläne und erläuterte Details bei einem Rundgang. 

Sascha Pfannstiel



Pfarrer Henning: "Wenn meine Gemeinde leidet, dann leide ich mit"

Die Kirche der evangelischen Gemeinde zu Beirut (Archivbild) blieb bei der verheerenden Explosion am 4. August 2020 vollkommen unversehrt. (Fotos: Evangelische Gemeinde zu Beirut) 
 

Erntedankgottesdienst (Archivbild) im Libanon: Jürgen Henning, Pfarrer der ev. Gemeinde zu Beirut, gestaltet die besondere Andacht unter freiem Himmel in einem Hotel östlich von Beirut. 
 


Von Sascha Pfannstiel

 

12.08.2020. Vor zwei Jahren wechselte Pfarrer Jürgen Henning von der Korbacher Markuskirche in den Libanon. Seine neue Gemeinde in Beirut liegt nur rund fünf Kilometer vom Hafen entfernt, in dem es Anfang August eine gewaltige Explosion gab. Wie durch ein Wunder wurde das evangelische Gemeindezentrum kaum beschädigt, Gemeindemitglieder oder
-mitarbeiter trug keine Verletzungen davon. Obwohl alle Gebäudeschäden bereits beseitigt sind, steht die 1856 gegründete Gemeinde vor großen Herausforderungen - und das nicht erst seit der verheerenden Detonation. 

 

Die Explosion in der libanesischen Hauptstadt am 4. August hatte mindestens 160 Tote gefordert, rund 6000 Menschen zogen sich Verletzungen zu, etwa 270.000 Einwohner Beiruts wurden obdachlos.

 

Pfarrer gerade auf Heimaturlaub

Zum Zeitpunkt des Unglücks befand sich Pfarrer Henning, der von 2010 bis 2018 in Korbach tätig war, auf Heimaturlaub in Deutschland. Er sei gerade mit seinem Sohn in Berlin eingetroffen, "als mich verschiedene Nachrichten von der schlimmen Katastrophe ereilten", berichtet der Pfarrer. Er habe sich sofort nach seinen Gemeindemitgliedern erkundigt, von denen viele in größerer Entfernung von der Kirche leben. Großes Glück habe der Verwaltungsangestellte der Gemeinde, Frederic Weber, gehabt: Er lebt in dem in Linie der Druckwelle liegenden und daher stark betroffenen Stadtteil Ashrafieh. Der Mitarbeiter sei aber zum Zeitpunkt der Explosion nicht zu Hause, sondern zu Besuch bei seiner Mutter im 20 Kilometer entfernten Jounieh gewesen. "Auf das Sofa, auf dem Frederic üblicherweise vor dem Fernseher liegt, hat die Druckwelle eine große Glasscheibe geschleudert", erzählt der Pfarrer. Es sei also durchaus denkbar gewesen, dass die Scheibe den Verwaltungsangestellte hätte schwer verletzen können. Auch Hausmeister Ali Ahmad, der im gemeindeeigenen Gebäudekomplex wohnt, blieb unverletzt. Er sei sehr erleichtert, dass auch niemand sonst aus der Gemeinde verletzt wurde und die Gebäudeschäden vergleichsweise gering waren.

 

Lediglich einige Scheiben zerstört

Jürgen Henning: "Die Kirche, die geschützt im Hof liegt, umgeben von hohen Häusern, ist vollkommen bewahrt geblieben. Sie hat nicht einen Kratzer abbekommen." An dem Haus der Gemeinde, in dem sich ein Laden, die Gemeindeetage, das Pfarrbüro und mehrere Wohnungen befinden, gingen laut Henning lediglich 15 Scheiben zu Bruch, die mit den Terrassentüren durch die Druckwelle nach innen gedrückt wurden. Die Pfarrwohnung, die sich im siebten und achten Stock des Hauses befindet, ist weitgehend verschont geblieben - "weil Fenster und Terrassentüren geöffnet waren, damit unsere Katzen rein und raus konnten. So ist die Druckwelle durchgegangen", verdeutlicht der 59-Jährige. In einigen Wohnungen von Gemeindemitgliedern im Stadtgebiet kam es ebenfalls zu Sachschäden. Auch hier wurde zum Glück niemand verletzt. 

Dass bereits nach kurzer Zeit alle Schäden am gemeindeeigenen Gebäude behoben sind, "wundert mich", sagt der Pfarrer. "Ich dachte, nun gäbe es in ganz Beirut kein einziges Fenster mehr zu kaufen. Jedenfalls mussten wir für alles zusammen nur 2000 Dollar bezahlen", schildert Jürgen Henning. Wegen der kaum vorstellbar hohen Inflation könne man viele Dienstleistungen und Importwaren, etwa Elektrogeräte, nur noch gegen Zahlung von Dollar erhalten, an die man allerdings kaum komme. Sollte man in libanesischen Pfund zahlen oder diese auf dem Schwarzmarkt in Dollar tauschen müssen, verachtfacht sich der Preis im Moment. "Glücklicherweise hatten wir noch eine kürzlich erhaltene Euro- beziehungsweise Dollarreserve. Sonst hätten wir den achtfachen Preis in libanesischen Pfund bezahlen müssen." Die in dem am Boden liegenden Land herrschende Wirtschafts- und Finanzkrise "wurde ja durch diese schlimme Katastrophe nicht abgelöst", sagt der Pfarrer. "So sind wir dankbar für die Bewahrung."



Der Innenraum der Beiruter Kirche. Das Gotteshaus blieb bei der verheerenden Explosion Anfang August unbeschädigt.

Andere hätten weit Schlimmeres zu beklagen. "Der Hafen ist vollkommen zerstört, auch das angrenzende Stadtviertel Mar Michael weist große Zerstörungen auf, viele Häuser sind zusammengefallen oder einsturzgefährdet." Verheerend seien die Schäden "auch an den Hochhäusern, die ja fast alle vollständige Glasfassaden hatten." Glasschäden weisen laut Jürgen Henning sehr viele Häuser auf, auch "in unserem vom Hafen immerhin fünf Kilometer entfernten Viertel Hamra. Die Druckwelle muss enorm gewesen sein." So spricht man nun von 270.000 Menschen ohne Obdach. Wohlhabendere Familien, "deren Appartements es in den glasverkleideten Hochhäusern zu Hauf getroffen hat, haben zumeist noch Häuser in den Bergen, in die sie ausweichen können", erklärt der evangelische Pfarrer.


Der Libanon liegt am Boden

"Wieder einmal die Armen trifft es hart", bedauert er. "Erstaunlich finde ich es, wie schnell das Aufräumen und Reparieren der Schäden geschieht." Niemand im Libanon "verlässt sich auch nur ein Fünkchen auf diesen Staat, alle legen selbst Hand an", beschreibt Henning. Die in dieser Woche aufgrund anhaltender Proteste zurückgetretene Regierung sei "nur eine Karikatur einer Regierung" gewesen, geprägt von Vetternwirtschaft und Korruption. "Man kann sich nicht vorstellen, wie ein Staat seine Bevölkerung ausbeutet." Die Verantwortlichen hätten sich gegenseitig Aufträge, Geld und Posten zugeschoben. "Diejenigen, die Vorteile hatten, wollten diese auch behalten", blickt der 59-Jährige auf die Zeiten vor der Katastrophe zurück. Leidtragende seien die einfachen Menschen im Land, von denen viele dem Libanon bereits den Rücken gekehrt hätten. "Wer das Land verlassen kann, der geht", schildert Pfarrer Henning die Situation. So seien auch viele junge Menschen nach dem Schulabschluss ins Ausland gegangen, zum Beispiel nach Europa oder Nordamerika. "Das ist ein weiterer Sargnagel für das Land."

Die Frage, ob er denn angesichts der Zustände selbst an einen Weggang aus Beirut denke, beantwortet der Deutsche sehr deutlich: "Nö. Es ist meine Gemeinde, und wenn die leidet, leide ich mit." Er habe den Menschen dort zum Antritt einen Treueschwur geleistet, "so wie sie auch mir." Sein Vertrag laufe noch vier Jahre und er könne sich auch vorstellen, die Anstellung im Libanon zu verlängern. "Vorher aufzuhören, würde ich als einen Treuebruch ansehen", betont Henning. Wenn sich jedoch die Umstände weiter verschlechterten, müsse man eine Fortsetzung neu bewerten. "Solange es jedoch geht, bleibe ich in Beirut und vertraue auf Gott, der uns hilft", sagt der Seelsorger, "ich möchte bei den Menschen sein, mit denen ich verbunden bin, dort gehöre ich hin."

Froh ist der Pfarrer in der aktuellen Situation darüber, dass die Hälfte seines Gehaltes auf ein Konto in Deutschland überwiesen wird. Die andere Hälfte werde ihm im Libanon ausbezahlt. Aufgrund der starken Inflation könne er mit diesem Geld aber immer weniger kaufen und müsse sich ein knappes tägliches Budget setzen. "Als 150 Gramm Schinken umgerechnet 40 Euro kosteten, habe ich keinen mehr gekauft", nennt der Pfarrer ein Beispiel. Jürgen Henning ist bei der evangelischen Gemeinde in Beirut angestellt und wird von ihr bezahlt. Die Mitte des 19. Jahrhunderts von europäischen Kaufleuten gegründete Gemeinde bekomme glücklicherweise "Unterstützung von außen" - viele Gemeindeglieder erhielten Geld aus 

dem Ausland. Die Schwierigkeit sei dabei jedoch, das Geld in ausländischer Währung bar ins Land zu bekommen. Überwiesene Beträge seien praktisch wertlos, weil es Beschränkungen und hohe Umtauschkurse gebe. "Wir haben als Gemeinde zwar Geld auf unserem Konto in Beirut, können damit aber eigentlich nichts anfangen", bedauert Henning. 

Dies sei auch ein Grund dafür, warum die Gemeinde keine Soforthilfe an von der Explosionskatastrophe Betroffene leisten könne. "Das übersteigt unsere Möglichkeiten, rein schon in logistischer Hinsicht." Außerdem wolle man trotz aller Schwierigkeiten und Probleme die eigenen Projekte - unter anderem den Gemeindesozialdienst und eine Schule für syrische Flüchtlingskinder - fortführen. Diese Schule ist den Angaben zufolge auf Spenden angewiesen, und die kamen nach Hennings Dienstantritt auch aus Korbach. "Wenn wir keine Spenden mehr bekommen, muss die Schule schließen." Man sei auf langfristige finanzielle Unterstützung angewiesen. 

Wer jetzt sofort in Not geratenen Menschen in Beirut helfen wolle, sollte laut Pfarrer Henning etwa an die Diakonie-Katastrophenhilfe oder das Rote Kreuz spenden. "Längerfristig können wir Spenden allerdings mehr als gut gebrauchen", sagt der 59-Jährige. Schon im Zuge der fortschreitenden Wirtschaftskrise hätten vermehrt Bedürftige den Weg zur Gemeinde gefunden, dies werde sich nach der Katastrophe wohl verschärfen. "Vielleicht werden wir auch, wie schon in der Vergangenheit, von verschiedenen einheimischen Organisationen gebeten, nach Möglichkeit ihren Dienst finanziell zu unterstützen". Und genau dafür benötige man Geld. "Wer also spenden will und nicht allein an die akute Notlage denkt, sondern auch später noch weiter helfen will, dessen Spenden sind uns herzlich willkommen", verdeutlicht der Pfarrer.
Die Bankverbindung lautet:

Evangelische Bank e.G.

Konto: Evangelische Gemeinde zu Beirut

IBAN: DE92 5206 0410 0006 4286 73

Stichwort "Explosion"

 

Hintergrund:                                                        

Die „Evangelische Gemeinde zu Beirut“ ist eine vorwiegend deutschsprachige protestantische Gemeinde mit ökumenischem Charakter im Libanon. Die 1856 von deutschen, französischen und Schweizer Kaufleuten gegründete hat aktuell etwa 120 Mitglieder. Neben dem Gottesdienst und dem anschließenden Kirchenkaffee gibt es regelmäßig einen Frauen-, Kinder- und Jugendtreff als feste Bestandteile des vielfältigen Gemeindelebens. Weitere Infos auf evangelische-gemeinde-beirut.org.

 

Zur Person:                                                          

Jürgen Henning stammt aus Eschwege und kam im Jahr 2010 nach Korbach an die Markuskirche. Zuvor hatte er schon einmal eine Stelle im Ausland - der heute 59-Jährige war neun Jahre lang Pfarrer der deutschen Auslandsgemeinde in Athen. Der Weggang von Korbach hatte einen traurigen Hintergrund: Nach dem Tod seiner Frau und dem Schulabschluss seiner Kinder "war ich allein im Haus in Korbach, das habe ich nur schlecht ausgehalten" aufgrund der vielen Erinnerungen. Weil "ich nochmal etwas anfangen musste mit meinem Leben", habe er sich nach einer neuen Aufgabe umgeschaut. Eine freie Stelle gab es zu dieser Zeit in Beirut. "Weil das Leben im Libanon allgemein etwa als gefährlich angesehen wird und Reise- und Aufenthaltswarnungen für Teile des Landes bestehen, rechnete ich damit, dass sich keine Pfarrfamilien dorthin bewerben. Diese werden in den zumeist im Hinblick auf das klassische Pfarrbild konservativeren Auslandgemeinden eher gewählt als ein alleinstehende Witwer, dessen Kinder in Deutschland bleiben." Er bewarb sich - und das mit Erfolg: 2018 trat Henning seinen Dienst in Beirut an und ist inzwischen wieder verheiratet. Auf seine Rückkehr in den Libanon am 23. August "bin ich sehr gespannt." So wie er sich seinerzeit an die neue Situation gewöhnt habe, werde er sich auch jetzt an das Leben nach der Explosion gewöhnen. "Wenn man dort lebt, kommt es einem weniger schlimm vor, als von außen betrachtet."                                            (pfa)



Kontakt zu Kindern und Jugendlichen per Video-Chat

16.07.2020 Katrin Petereit heißt die neue Jugendarbeiterin im Kirchenkreis Twiste-Eisenberg. Die 25-Jährige, die aus Hofgeismar stammt, hat Soziale Arbeit studiert und liebt den Kontakt zu Kindern und Jugendlichen. Diese lernte sie in den ersten Wochen wegen Corona allerdings nicht persönlich, sondern überwiegend in Video-Chats kennen. "Das war etwas völlig Neues für mich."

 

Ihren Start hier hatte sich die junge Frau, die zuvor im Altkirchenkreis Hofgeismar tätig war, gewiss anders vorgestellt. Doch auch auf diesem ungewöhnlichen Weg seien viele Kontakte im neuen Wirkungskreis entstanden. Katrin Petereit ist als Jugendarbeiterin vor allem für den Altkirchenkreis Twiste mit zuständig. "Es bereitet mir viel Spaß, etwas mit und für Kinder und Jugendliche zu planen und umzusetzen", berichtet die 25-Jährige, die Soziale Arbeit mit gemeindepädagogisch-diakonischer Qualifikation in Hephata studierte. In "dieser schweren Zeit, die wir gerade durch machen", habe man Alternativen in der Zusammenarbeit mit der Zielgruppe gefunden. Neben den regelmäßigen Videochats mit Kindern und Jugendlichen diene zum Beispiel auch ein Instagram-Account dazu, über die 

Katrin Petereit (25). 

Jugendarbeit zu berichten. Virtuell zusammengeführte Aktionen wie ein Spielenachmittag oder ein Kochduell gab es bereits, aber auch "echte" Aktionen wie Dorfrallyes, Fahrradtouren, ein Waldtag oder ein Sprühkreide-Parcours wurden und werden in den Sommerferien angeboten. Katrin Petereit, die ihre neue Kollegin Petra Ullrich bereits von vergangenen kirchlichen Jugendveranstaltungen kennt, war über die Homepage der Landeskirche auf die Stelle im Kirchenkreis Twiste-Eisenberg aufmerksam geworden. 

Seit Juni wohnt die 25-Jährige nun auch im Raum Bad Arolsen. Vieles habe sie coronabedingt aus dem Homeoffice heraus machen müssen, doch gibt es auch regelmäßige Treffen mit ihren Kollegen Petra Ullrich und Gordon Redeker, um die kirchliche Jugendarbeit zu organisieren. 

Musik ist eine ihrer Leidenschaften, wie die neue Jugendarbeiterin erklärt. So habe sie früher Klavier gespielt, aktuell greife sie aber eher zur Gitarre. An ihrer früheren Wirkungsstätte hatte Katrin Petereit eine Kirchenkreisband ins Leben gerufen. Neben der Musik mag sie Konfirmanden- und Jungschar-Arbeit und nimmt gern mit ihren Schützlingen an Freizeiten teil "Das ist ein anderer Kontext, in dem man sich da begegnet", berichtet die Jugendarbeiterin. Dass sie selbst erst 25 Jahre alt ist und damit den Kindern und Jugendlichen nahe ist, sei nicht schlecht: "Ich denke, dass ich manche Dinge eher verstehe, zum Beispiel das Schulsystem", betont sie. 

In ihrer eigenen Freizeit ist Katrin Petereit gerne in der Natur. Außerdem liest sie viel. Zu erreichen ist die Jugendarbeiterin per Mail unter katrin.petereit@ekkw.de oder telefonisch unter 01523/3951937. Informationen über das Angebot in den Sommerferien gibt es hier.  

Sascha Pfannstiel



Den Menschen nah sein, Angebote bekannter machen

27.06.2020. Neue diakonische Angebote möchte er in Zusammenarbeit mit Kirchengemeinden vor Ort entwickeln, die Beratungsleistungen des Diakonischen Werkes Waldeck-Frankenberg bekannter machen und mit Fundraising eine weitere Säule in der Finanzierung der wichtigen Arbeit schaffen: Pfarrer Winfried Schiel ist ab 1. Juli Geschäftsführer der kirchlichen Einrichtung und zugleich als Diakoniepfarrer in den beiden evangelischen Kirchenkreisen im Landkreis tätig. 

 

Die Kirchenkreise Eder und Twiste-Eisenberg sind gemeinsam Träger des Diakonischen Werkes (DW) Waldeck-Frankenberg, das mit 24 Mitarbeitenden in den vier Mittelzentren vertreten ist und vielfältige Beratungen anbietet. So 

Pfarrer Winfried Schiel ist ab 1. Juli Geschäftsführer des Diakonischen Werkes Waldeck-Frankenberg mit Hauptsitz in der alten Brandkasse in der Prof.-Bier-Straße 9 in Korbach. Der Theologe wird auch als Diakoniepfarrer in den Kirchenkreisen Eder und Twiste-Eisenberg tätig sein.

Foto: Sascha Pfannstiel 


gehören Suchtberatung und -prävention, Schwangerenberatung, Flüchtlingsberatung und die Kirchliche Allgemeine Sozial- und Lebensberatung (KASL) mit ihren vielen Themenfeldern zu den Kernaufgaben. Bislang bekleideten Maren Jahnke (Twiste-Eisenberg) und Klaus-Jürgen Fackiner (Eder) je eine halbe Diakoniepfarrstelle. Der Armsfelder Pfarrer geht im August in den Ruhestand, seine Kollegin aus Mengeringhausen wechselte zum Bad Arolser Bathildisheim. Ab Juli übernimmt Winfried Schiel die Aufgaben des Diakoniepfarrers in beiden Kirchenkreisen und wird - das ist in dieser Form neu - als Geschäftsführer die Geschicke des Diakonischen Werkes leiten. 

"Hier gibt es die Möglichkeit zu gestalten", erklärte Schiel wenige Tage vor seinem Dienstantritt am DW-Hauptsitz in der alten Brandkasse in der Professor-Bier-Straße 9 in Korbach. Dort sowie in den Außenstellen in Bad Arolsen, Bad Wildungen und Frankenberg bieten die Mitarbeitenden fundierte Beratungen an, teils in Kooperation mit dem Landkreis. Je nach Thema werden Ratsuchende auch an andere qualifizierte Stellen, zum Beispiel die Schuldnerberatung des Roten Kreuzes, verwiesen. 

"Wir wollen für die Menschen in der Region

da und ihnen nah sein", verdeutlichte der Pfarrer. Dabei spiele "das Wesen von Nächstenliebe, wie Jesus es uns vorgelebt hat", eine wichtige Rolle. Die vorhandenen Angebote seiner Einrichtung möchte Schiel in der Bevölkerung trotz bereits hoher Akzeptanz noch bekannter machen und zugleich neue schaffen. "Wir sehen uns als verlängerter Arm und professioneller Dienstleister der Kirchengemeinden, wenn diese an ihre Grenzen geraten." Würden derartige Wünsche nach diakonischen Angeboten an ihn herangetragen, wolle er diese aufnehmen und deren Umsetzung begleiten, versicherte Schiel. In seinen früheren Tätigkeiten baute der Theologe erfolgreich einen Kindergarten und ein "Haus der Generationen" mit auf, ihm ist unter anderem die Vernetzung von Alt und Jung wichtig. "Das ist mein Steckenpferd," verdeutlichte er. 

Ebenfalls mit Netzwerkarbeit möchte der neue Geschäftsführer nun das hiesige Diakonische Werk stärken, über Fundraising um Spenden zur Mitfinanzierung der Einrichtung werben und die Öffentlichkeitsarbeit intensivieren. Um die Arbeit des DW bekannter zu machen, werde er auch Diakoniegottesdienste in den beiden Kirchenkreisen halten. Diese Gottesdienste

befassen sich mit verschiedenen Themen diakonischer Arbeit. "Pfarrer Winfried Schiel wird das Gesicht der Diakonie in unserem Einzugsgebiet sein", formulierte Eva Brinke-Kriebel, Dekanin des Kirchenkreises Twiste-Eisenberg, eine Rolle des neuen DW-Geschäftsführers. Er selbst wünscht sich eine gute Zusammenarbeit mit dem 24-köpfigen Team, den Kirchengemeinden und allen weiteren Beteiligten. "Menschen liegen mir am Herzen." 

 

Zur Person: 

Winfried Schiel, zuletzt als Gemeindepfarrer in Fuldabrück und Diakoniepfarrer in den Kirchenkreisen Hofgeismar-Wolfhagen und Kaufungen sowie im Diakonischen Werk in der Region Kassel tätig, ist verheiratet, Vater zweier Kinder und Großvater von vier Enkeln. "Das fünfte Enkelkind ist unterwegs", sagt er voller Freude. Sofern ihm neben der Familie Zeit bleibt, widmet sich der Pfarrer in seiner Freizeit dem Sport, vorwiegend als Radfahrer. 

 

Mehr über die Arbeit und die Angebote des Diakonischen Werkes Waldeck-Frankenberg ist zu lesen auf der DW-Internetseite, zu finden unter www.dwwf.de



 
 
 
 
 

  

  

  

  

  

  

  


 

   

Zum Ende des Gottesdienstes empfingen die Abiturienten den Segen - gesprochen von Pfarrerin Christel Wagner. Dazu legten die Eltern ihren Töchtern und Söhnen die Hände auf die Schultern. 

Korbacher Gymnasiasten feiern Gottesdienst zum Abi

Immer wieder in der Vergangenheit haben Religionslehrer, Schüler und Pfarrer über einen Gottesdienst zum Abitur an der Alten Landesschule in Korbach nachgedacht - aus verschiedenen Gründen war es bislang aber nicht dazu gekommen. Nun hat die Corona-Krise der Sache Vorschub geleistet: In der Kilianskirche gab es zwei Gottesdienste für die Abgänger des Kreisstadt-Gymnasiums. 

 

"Gott sei Dank, wir dürfen hier sein", sagte zu Beginn des Gottesdienstes am Donnerstagabend Monika Peel, Lehrerin an der Alten Landesschule (ALS) und Mitglied im Gemeindeausschuss der Markuskirche, zu den Besuchern - Schülerinnen und Schüler ebenso wie Eltern und Geschwister. Weil wegen der Corona-Bestimmungen nur relativ wenige Plätze in der Kirche besetzt werden durften, hatte bereits am Vorabend ein weiterer Gottesdienst für die Absolventen stattgefunden. Peel dankte allen Mitwirkenden und Organisatoren. So hatten neben ihr und Pfarrerin Christel Wagner auch Jochen Bergmann, Marion Weinreich und Andrea Tent an den Vorbereitungen mitgewirkt.

Pfarrerin Wagner betonte vor der 

(Schul-)Gemeinde, die Schülerinnen und Schüler befänden sich in bewegenden Tagen

zwischen Abschied und Neubeginn. Mit Blick auf die momentanen Verhältnisse in den USA zitierte die Pfarrerin den Pastor und Bürgerrechtler Martin Luther King: "Gott kann das dunkle Gestern in ein helles Morgen verwandeln." Dies würde Zuversicht spenden. Doch Christel Wagner ging auch auf Gott und Corona ein: Vor Gott gehe es nicht darum, systemrelevant zu sein. Vielmehr sei für Gott ein jeder wichtig. 

Stellvertretend blickten einige Schülerinnen auf Sternstunden der Schulzeit zurück wie Begegnungen, Freundschaften, Kursfahrten, Highlights im Unterricht oder die Lehrerhitparade mit dem gesamten Jahrgang. Begleitet wurden die Gedanken von Tim Bendzkos Lied "Hoch". Es gehe darum, neue Wege zu finden und nicht aufzugeben, sagte die Pfarrerin. Dieser Song passe daher gut zu einem Auszug aus Psalm 31: "Du stellst meine Füße auf weiten Raum". Gleichwohl habe es während der Schulzeit auch dunkle Wolken gegeben wie Lernstress oder Enttäuschungen. Nun hätten die jungen Leute das Kapitel Schule hinter sich, neue Wege stünden bevor. Dafür wünschte Wagner auch den Eltern Kraft, ihre 

der gehen zu lassen und zugleich weiter für sie da zu sein. 

Die Lehrerrede hielt Jochen Bergmann, der die Corona-Pandemie in Relation setzte: "In 98 Prozent der Schulzeit hat das für Euch keine Rolle gespielt." Bergmann blickte ebenfalls auf Kursfahrten zurück, zum Beispiel in die Korbacher Partnerstadt Avranches, wo Schüler eine Gedenkveranstaltung zum Kriegsende vor 75 Jahren mitgestalten durften. In seiner Rede betonte auch er, dass es Sternstunden ebenso wie Niederlagen in der Schulzeit gegeben habe. Dies sei auch bei bedeutenden Personen in der Bibel so gewesen, die "höchste Höhen und tiefste Tiefen" erlebt hätten. Den Schülerinnen und Schülern riet Bergmann, künftig ihren Beitrag zu leisten - auch dann, wenn Engagement womöglich auf den ersten Blick sinnlos erscheinen möge. 

Zum Ende des musikalisch umrahmten Gottesdienstes, in dem Schüler, Lehrer und Eltern Fürbitten hielten, empfingen die Abiturienten den Segen - gesprochen von Pfarrerin Christel Wagner. Dazu legten die Eltern ihren Töchtern und Söhnen die Hände auf die Schultern. 

Sascha Pfannstiel



50 Jahre Ökumene in Korbach: Pilgerweg statt Fest

01.06.2020 Seit einem halben Jahrhundert leben und pflegen Christen in Korbach die Ökumene. An vielen Stellen gibt es Anknüpfungspunkte und gemeinsame Aktivitäten der Kirchengemeinden. Zu einem ökumenischen Pilgerweg lud am Pfingstmontag der Arbeitskreis Christlicher Kirchen in Korbach (ACK) ein - und schuf damit einen ansprechenden Ersatz für das Jubiläumsfest, das wegen Corona nicht stattfand. 

 

Sieben Gemeinden beteiligten sich an dem Projekt, das den ganzen Tag über anlockte: Die vier evangelischen Gemeinden Kilian, Nikolai, Markus und Johannes, die beiden katholischen Kirchen St. Josef und St. Marien sowie die zur Selbständig Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) gehörende Christuskirche. Dort empfing ein mit Sägemehl gestaltetes Labyrinth die Pilger vor dem Gotteshaus. Wie im echten Leben seien auch in diesem Labyrinth Weg- und Wendepunkte zu finden, wie Pastor Stefan Paternoster und Vorsteher Jochen Bergmann berichteten. Diese Punkte waren mit geistlichen Impulsen versehen. In der kleinen Kirche selbst waren biblische Worte 

 

Bitte zugreifen! Pfarrerin Christel Wagner zeigt im Bibelgarten der Markuskirche die Bibeln, die sich die Pilger am Pfingstmontag von den Tischen mitnehmen durften.               Foto: pfa


in verschiedenen Sprachen ausgelegt - passend zum Pfingstfest. Ebenfalls in verschiedenen Sprachen erlebten die Pilger das "Vater unser" in der Kilianskirche, wo das biblische Geschehen an Pfingsten aufge- gegriffen wurde. 

Bibeln zum kostenlosen Mitnehmen lagen im Bibelgarten der Markuskirche aus. Hier erfuhren die Besucher eine Menge über Sinn und Zweck des Bibelgartens, der sich aktuell in der Neugestaltung befindet. "Leider sind in der Vergangenheit einige Dinge mutwillig zerstört oder auch gestohlen worden", beklagte Pfarrerin Christel Wagner. Außerdem hätten Bauarbeiten auf dem Gelände stattgefunden. Den Angaben zufolge sucht die Gemeinde noch Interessierte, die sich ehrenamtlich um den Kräutergarten kümmern möchten. 

Auf der Wiese zwischen Nikolaikirche und Bürgerhaus wimmelte es am Montag nur so von Tauben - aus Papier, als Zeichen für den Heiligen Geist. Diese Tauben hatte die Gemeinde an Leinen aufgehängt und die Pilger ermutigt, ihre Wünsche an Gott darauf zu notieren. In der Johannesgemeinde galt es unter anderem, mit Papierblumen einen Maienbaum zu schmücken. In der katholischen Lichterkirche St. Marien gab es ebenfalls geistliche Impulse sowie ein Angebot des dortigen Kindergottesdienst- teams, in St. Josef informierte eine umfangreiche Ausstellung über 50 Jahre Ökumene in Korbach.         Sascha Pfannstiel 



In Corona-Zeiten geht "Gott Weg der Hoffnung mit uns"

 

 

 

 

 

 

 

Gottesdienst in Willingen: Von der Empore aus singt Paula Saure für die Gemeindemitglieder, die auf markierten Plätzen sitzen mussten. Außer im Upland gab es am Sonntagmorgen Gottesdienste in Korbach, Rhoden und Bad Arolsen.

(Foto: Sascha Pfannstiel)

Korbach/Bad Arolsen/Rhoden/Willingen. Gottesdienste, die seit Mitte März wegen der Corona-Pandemie nicht mehr gefeiert werden durften, hat es an diesem Sonntag im Kirchenkreis Twiste-Eisenberg in vier großen Kirchen gegeben - nur dort war es möglich, die Abstandsregeln beim Betreten und Verlassen der Gotteshäuser und in den Sitzreihen einzuhalten. Mitglieder der Kirchenvorstände führten beispielsweise in der Willinger Kirche die Besucher, die sich zuvor wie anderswo hatten anmelden müssen, auf markierte Plätze. In der Uplandgemeinde lagen Blätter aus, auf denen Gebete und Lieder abgedruckt waren - singen durften die Besucher aber nicht. 

 

Den Gottesdienst in Willingen hielt Pfarrer Christian Röhling gemeinsam mit seiner Kollegin, Pfarrerin Stephanie Stracke aus Usseln. Beide äußerten in der Begrüßung der Gemeinde ihre Freude darüber, dass "wir endlich wieder Gottesdienst feiern dürfen", es sei jedoch schade, dass man die Besucher "nur eingeschränkt sehen kann 

wegen der Masken", wie es Pfarrer Röhling formulierte. In den vergangenen Wochen habe man Gefahren erlebt, Rücksicht genommen, Herausforderungen bestanden und Verzicht geübt, blickte er auf die von Corona geprägte Zeit zurück. Wieder Gottesdienst halten zu können, fühle sich zwar vertraut, aber zugleich auch neu und fremd und anders an, betonte Pfarrerin Stracke. Heute wie in schweren Zeiten in der Vergangenheit könne man seine Sorgen vor Gott bringen. "Das war schon so während der Spanischen Grippe, aber auch im babylonischen Exil", verdeutlichte der Ortspfarrer, "damals gab es aber weder Home Office, noch Social Media." Die Menschen hätten sich damals an Gott gewandt. 

Christian Röhling berichtete der Gemeinde von einer Wanderung, die ihn kürzlich auf dem Ettelsberg an einem Holzbogen vorbei geführt habe mit der Inschrift "It's a beautiful journey" - das ganze Leben sei eine wunderschöne Reise, sagte der Pfarrer, auch wenn gerade durch Corona dunkle

Wolken am Himmel über uns aufgezogen seien. Vermutlich würden noch viele Generationen von Corona und den Auswirkungen sprechen. "Gott aber ist an unserer Seite und geht einen Weg der Hoffnung mit uns." Zeichen der Hoffnung seien für ihn zum Beispiel neue medizinische Erkenntnisse, steigende persönliche Kontakte, gegenseitige Hilfe oder die wieder wachsende Zahl an Gästen im Ort. Außer auf die dunklen Wolken am Himmel zu schauen, könne ein jeder Mensch danach gucken, was ihm aktuell Freude und Hoffnung gebe. 

Gemeinsam gesprochene Gebete waren am Sonntag zulässig, singen durfte die Gemeinde aber nicht. Dennoch war der Gottesdienst in der Willinger Kirche musikalisch ausgeschmückt. Organistin Christine Wallnau-Toepfer spielte mehrere Stücke auf der Orgel, ein Gesangstück brachte Paula Saure von der Empore aus zu Gehör - dafür erhielt die junge Sängerin auch reichlich Applaus. 

Sascha Pfannstiel



Gottesdienste im Kirchenkreis zu Pfingsten

24.05.2020 Für das kommende Pfingstwochenende sind im Kirchenkreis Twiste-Eisenberg folgende Gottesdienste geplant:

 

In der Kilianskirche in Korbach beginnt der Pfingstgottesdienst am Sonntag um 10 Uhr. Eine telefonische Anmeldung erbittet das Dekanat bis Freitagmittag unter der Rufnummer 05631/9736183. Einen ökumenischen Pilgerweg mit verschiedenen Stationen gibt es am Pfingstmontag (siehe unten). An den beiden katholischen Kirchen, der Selbständig Evangelisch Lutherischen Kirche und den vier evangelischen Kirchen wird von 9 bis 17 Uhr je eine Station auf 

interessierte Pilger warten, eine Anmeldung ist nicht notwendig.

In der Stadtkirche in Bad Arolsen wird am Pfingstsonntag um 10 Uhr Gottesdienst gefeiert, eine Anmeldung wird unter der Telefonnummer 05691/3337 erbeten. Auch in Mengeringhausen läuten die Glocken am Sonntag zum Gottesdienst um 10 Uhr. Wer in die Kirche gehen möchte, meldet sich unter der Nummer 05691/3562 an. Am Pfingstmontag gibt wird ein Gottesdienst in Helsen gefeiert (10 Uhr), die Kirchgänger melden sich unter der Nummer 05691/3337 an. Für den Gottesdienst in Landau am Montag um 10.45 Uhr werden Anmeldung unter den folgenden Nummern erbeten: 

Pfarramt Landau, 05696/995050, Anmeldung Lütersheim: Christa Schaake,  

05693/6060, Braunsen: Inge Dietzel, 05691/4220. Der Gottesdienst für die Region Nordwaldeck wird an Pfingsten in Volkmarsen gefeiert.

Die Kirchengemeinde in Willingen lädt am Pfingstsonntag um 10 Uhr zum Gottesdienst ein. Anmeldungen werden telefonisch in der Upland-Apotheke Willingen, Inhaberin Susanne Dreves, oder per E-Mail (pfarramt1.willingen@ekkw.de) entgegen genommen. Am Pfingstmontag gibt es keinen Gottesdienst, aber in allen Upland-Kirchen liegen Andachten zum Mitnehmen und man kann Kerzen entzünden.           pfa




"Wöchentlicher Chorabend auch soziales Highlight"

Mit Ausbruch der Corona-Krise und dem Lockdown ist im Kirchenkreis Twiste-Eisenberg die Chor- und Posaunenchorarbeit weitgehend zum Erliegen gekommen. Mehr als 600 Menschen in den verschiedenen Chöre müssen seit Wochen auf ihr Hobby verzichten. Die Bezirkskantoren Jan Knobbe (Bad Arolsen) sowie Ingrid und Stefan Kammerer (Korbach) haben dennoch in diesen Zeiten alle Hände voll zu tun. Und mit der Wiederaufnahme der Gottesdienste an diesem Sonntag erklingt zumindest in einigen Kirchen wieder Musik. 

 

Auch wenn die Gemeinden in den Gottesdiensten aufgrund der Verordnungen nicht singen dürfen, wird in Korbach, Bad Arolsen, Willingen und Rhoden zum Beispiel Orgelmusik zu hören sein. Wochenlang war es still in den Gotteshäusern, und auch in den Gemeindehäusern und anderen Proberäumen war die Musik verstummt - aufgrund der Corona-Pandemie verbieten die Regeln seit Mitte März Zusammenkünfte auch von Chören und Posaunenchören. Man befinde sich seither in einer Art Schockstarre, bekräftigten die Bezirkskantoren Jan Knobbe, Ingrid und Stefan Kammerer in dieser Woche. Nicht nur, dass der Übungsbetrieb als Vorbereitung auf Konzerte und andere Auftritte ausgesetzt wurde. "Der Chorabend ist für viele auch ein soziales Highlight", nannte Ingrid Kammerer einen wesentlichen Aspekt. 

In einer Zeit, in der die Chorarbeit seit Wochen ruht, gelte es in besonderer Weise, Kontakt zu den Musikerinnen und Musikern zu halten. "Es wäre wirklich traurig, wenn einige vergessen würden, wie schön es im Chor ist", sagte Ingrid Kammerer. Sie glaube aber nicht, dass durch die Corona-Pause viele Sänger wegbrechen, "denn wir bekommen immer wieder die Rückmeldung, dass die Menschen das Singen vermissen." Dass die Probenarbeit derzeit weitgehend ruhe, sei sinnvoll, betonte Jan Knobbe: "Es geht jetzt auch darum vor allem die Älteren zu schützen." Und genau diese älteren 

Die Bezirkskantoren Jan Knobbe (Bad Arolsen, links) sowie Ingrid und Stefan Kammerer (Korbach).                    Foto: Sascha Pfannstiel

Chromitglieder könnten künftig zurückhaltender sein und die Proben, wenn sie denn wieder erlaubt seien, womöglich zögerlicher besuchen.  

Über eine Wiederaufnahme der Proben machen sich die Bezirkskantoren derzeit viele Gedanken. So könne man die Chöre in kleinere Gruppen aufteilen und dadurch die Mindestabstände einhalten, "aber das ist einfach nicht dasselbe Erlebnis." Es gelte jetzt auch, die Motivation für die Zeit nach Corona zu erhalten und Konzepte zu erarbeiten, um dann den Übungsbetrieb wieder aufnehmen zu können. Im Kirchenkreis Twiste-Eisenberg sind nach Angaben der Bezirkskantoren etwa 400 Erwachsene in gut einem Dutzend Chören aktiv, hinzu kommen Kantoreien, verschiedene Kinder- und Jugendchöre, Flötenensembles, Organisten sowie etwa 200 Mitglieder in rund 15 Posaunenchören. Diese dürften derzeit zumindest in Zweiergruppe auf der Straße oder in Innenhöfen von Senioreneinrichtungen auftreten. Dank Videokonferenz könnten derzeit zumindest virtuelle Übungsstunden stattfinden. 

Während die Musikerinnen und Musiker im Kirchenkreis ihre Proben und Auftritte schmerzlich vermissen, wirkt sich die überwiegende Ruhe auch auf die Kantoren 

 

aus. "Für mich ist es eine beunruhigende Stille", betonte Ingrid Kammerer, und es sei auch frustrierend - so habe man mit den Aktiven auf verschiedene Auftritte hingearbeitet, nun habe man aber alles absagen oder verschieben müssen. "Es ist auch belastend, das den Sängern mitzuteilen." Immerhin fördere die momentane Situation aber die Kreativität: "Wir denken natürlich über neue Wege nach." Von einer gewissen Entschleunigung sprach ihr Kollege Jan Knobbe, der derzeit mehr Zeit zum Orgelspielen findet und bereits neue Projekte für "die Zeit danach" vorbereitet. Und wenn bei künftigen Auftritten die Zahl der Musiker geringer sein müsse, wirke sich das natürlich auch auf die Auswahl der Stücke aus. Knobbe: "Da muss man vorbereitet sein." Sowohl in Arolsen, als auch in Korbach "arbeiten wir fieberhaft an neuen Konzepten, die wir dann umsetzen."

Glücklicherweise sei aktuell bereits schon mal der Orgelunterricht "auf Abstand" wieder möglich, erklärte Stefan Kammerer. Und sobald die Probenarbeit mit einem Posaunenschüler zugelassen sei, werde man auch diesen Unterricht wieder aufnehmen. Der Unterricht dauere unter momentanen Bedingungen aber wesentlich länger als üblich. "Nach dem Orgelspielen müssen wir zum Beispiel die Tastatur desinfizieren", verdeutlichte Stefan Kammerer. Auch sei der Orgelunterricht mit dem Mindestabstand zwischen Schüler und Lehrer wesentlich umständlicher, weil Griffe auf der Tastatur und die Nutzung der Pedale nicht wie früher direkt demonstriert werden könnten. 

 

Sowohl Ingrid und Stefan Kammerer, als auch Jan Knobbe hoffen, dass man schon in absehbarer Zeit zu einer gewissen Normalität zurückkehren kann. An Chormusik interessierte Menschen, die sich über die Arbeit informieren möchten, können die folgenden Internetseiten besuchen:

ev-kirche-bad-arolsen.de und evkirchekorbach.de

Sascha Pfannstiel




Langsame, behutsame Rückkehr zu Gottesdiensten

Eine langsame und behutsame Rückkehr zu öffentlich gefeierten Gottesdiensten wird es im Kirchenkreis Twiste-Eisenberg am Sonntag, 24. Mai, geben: Lediglich in den großen Kirchen in Korbach, Willingen, Bad Arolsen und Rhoden soll es an dem Tag Gottesdienste geben - unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln. Daher wird es ein beschränktes Platzangebot geben und auf Gesang verzichtet. 

 

Die Landeskirche hatte zum vergangenen Wochenende grünes Licht für die Wiederaufnahme von Gottesdiensten unter gewissen Auflagen gegeben. Für eine Umsetzung waren jedoch Beschlüsse der jeweiligen Kirchenvorstände nötig, außerdem war klar, dass lediglich die größeren Kirchengebäude die Möglichkeit zur Wiederaufnahme von Gottesdiensten bieten würden - in kleinen Gotteshäusern mit wenigen Sitzplätzen und engen Eingängen wäre die Einhaltung der gebotenen Abstandsregeln nur schwer möglich.

Inzwischen haben die meisten Kirchenvorstände im Kirchenkreis Twiste-Eisenberg getagt und überwiegend beschlossen, trotz bestehender Wünsche der Gemeindeglieder aus Sicherheitsgründen das Feiern von Gottesdiensten weiterhin auszusetzen. "Es ist zwar schön, dass wir wieder Gottesdienste feiern dürfen, aber deswegen 

noch lange nicht sinnvoll, es an vielen Orten zu tun", sagte Dekanin Eva Brinke-Kriebel am Dienstag. Man müsse weiterhin die Gefahren im Blick haben und Risiken vermeiden. "Wir haben Verständnis für alle, die aktuell noch keine Gottesdienste besuchen können oder möchten", sagte sie. Nach Auskunft der Dekanin sollen am Sonntag, 24. Mai, im Kirchenkreis lediglich Gottesdienste stattfinden in der Korbacher Kilianskirche, in der Willinger Kirche, in der Stadtkirche Bad Arolsen und in der Stadtkirche in Rhoden. Um auch in diesen großen Gotteshäusern die Abstandsregeln einzuhalten, gebe es ein beschränktes Platzangebot, "außerdem muss auf Singen leider verzichtet werden und ein Mund-Nasen-Schutz wird dringend empfohlen". Die genauen Modalitäten würden in der kommenden Woche, nach Abschluss der 

nötigen Vorbereitungen, bekannt gegeben. Fest steht bislang bereits, dass sich die Besucher in Korbach, Willingen und Bad Arolsen anmelden müssen. Die Kirchengemeinde in Rhoden verzichte auf diese Regelung, werde aber dennoch lediglich die maximal zulässige Zahl an Besuchern einlassen, hieß es am Dienstag.

Der Kirchenkreis veröffentlicht seit Wochen und auch weiterhin an jedem Sonntag eine Video-Andacht auf dieser Homepage, ähnliche Video- und Audio-Angebote stellen auch einzelne Gemeinden online. Darüber hinaus gibt es in mehreren Gemeinden zum Beispiel Gottesdienste in der Tüte zum Bestellen, Andachts- und Gebetsblätter, die in den Kirchen zum Mitnehmen ausliegen, oder auch Andachten per Telefon - kurze geistliche Impulse, die zum Beispiel auf dem Anrufbeantworter des Pfarramtes in Rhoden zu hören sind. Die Dekanin weist zudem darauf hin, dass die Pfarrerinnen und Pfarrer im Kirchenkreis über die Pfarrämter zu erreichen sind. 

Die bislang geplanten vier Gottesdienste will der Kirchenkreis nach Angaben der Dekanin auch dazu nutzen, um Erfahrungen zu sammeln. Wie groß das Interesse tatsächlich sei und wie sich sämtliche Abläufe gestalteten, werde man am 24. Mai sehen. Daraus würden dann weitere Planungen, auch für das nachfolgende Pfingstwochenende, abgeleitet. 



Viele Vorbereitungen für Rückkehr zu Gottesdiensten

Um wieder Gottesdienste feiern zu können, müssten laut Dekanin Brinke-Kriebel zunächst sämtliche Belange zur Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln geklärt werden, man benötige zudem ein gewisses "Personal", um die Vorgaben auch umzusetzen. "Wir brauchen zum Beispiel die Mitglieder des Kirchenvorstands, den Küster oder andere Helfer, die selbst nicht zu den Risikogruppen gehören dürfen, um das alles in der Praxis auch durchführen zu können", erläutert die Dekanin. So müsse man darauf achten, dass die Besucher anderthalb bis zwei Meter voneinander entfernt säßen und die sich dadurch ergebende Zahl der zugelassenen Personen in einer Kirche nicht überschritten werde. "Fest steht, dass 

überhaupt nur die größeren Kirchen für eine Wiederaufnahme von Gottesdiensten geeignet sind." Von den Pfarrerinnen und Pfarrern habe es den Wunsch nach einer einheitlichen Strategie im Kirchenkreis gegeben. Diese müsse nun, nach Erlass der EKKW-Verfügung, erarbeitet werden.

Brinke-Kriebel betonte, dass sich die Risikolage nicht verbessert habe. Weil die Kirchen nicht unter wirtschaftlichem Druck stünden, könne man die Wiederaufnahme von Gottesdienste sorgfältig und in Ruhe vorbereiten. Man werde die Maßnahmen zum Infektionsschutz als oberstes Kriterium für das weitere Vorgehen ansetzen. Zudem müsse man bedenken, dass viele treue Gottesdienstbesucher schließlich ältere Menschen seien und damit zur Risikogruppe gehörten. "Außerdem wissen wir selbst ja noch gar nicht, ob viele Menschen aktuell wieder einen Gottesdienst besuchen möchten oder eher vorsichtig und zurückhaltend sind", verdeutlichte die Dekanin. Sowohl bei den Besuchern als auch bei den Pfarrersleuten sei ein Mund-Nasen-Schutz geboten.

Unabhängig vom Zeitpunkt einer Wiederaufnahme steht den Angaben aus dem Kirchenkreis Twiste-Eisenberg zufolge schon jetzt fest, "dass die Gottesdienste zunächst anders werden als vor Corona", sagte Eva Brinke-Kriebel. So werde es kürzere Andachten ohne Gesang und Abendmahl geben. Es würden keine Gesangbücher ausgelegt, lediglich die Orgel sorge für eine musikalische Ausgestaltung. "Das wird ein völlig anderes Gemeinschaftserlebnis sein, als wir es bisher kannten."

Der Kirchenkreis veröffentlicht an jedem Wochenende auf dieser Homepage einen kurzen Video-Gottesdienste, viele Gemeinden veröffentlichen im Internet weitere Angebote - in Diemelstadt zum Beispiel gibt es sonntäglich einen Gottesdienst per Telefon auf dem Anrufbeantworter. Die Pfarrämter sind wie gewohnt telefonisch zu erreichen. In zahlreichen Kirchen liegen auch Andachten und Gebetsblätter zum Mitnehmen aus.

(Sascha Pfannstiel)



Pfarrersfamilie singt jeden Abend für Nieder-Ense

Seit mehr als vier Wochen erklingt im Korbacher Stadtteil Nieder-Ense jeden Abend das Lied "Der Mond ist aufgegangen" vom Balkon der Familie Uffelmann. Der örtliche Pfarrer, seine Frau und die beiden Kinder haben in Corona-Zeiten ein Ritual geschaffen, das Trost spendet, Gefallen findet und für viel Resonanz gesorgt hat.

 

Unermüdlich beschallt die Pfarrersfamilie seit dem 18. März allabendlich den Korbacher Stadtteil: Auf dem Balkon des Pfarrhauses in der Quellenstraße sind ein E-Klavier und eine große Lautsprecherbox installiert, pünktlich um 19 Uhr greift Sohn Jonas (8) zum Mikrofon und Tochter Insa in die Tasten, Mutter Kerstin und Vater Burkhard begleiten ihre Kinder mit kräftiger Stimme. Das Abendlied erklingt Dank technischer Unterstützung in weiten Teilen des Ortes, inzwischen finden sich regelmäßig sogar treue Fans auf einem Feldweg gegenüber ein und lauschen dem akustischen Ritual. 

"Als die Corona-Pandemie im März so richtig wütete und wir anrührende Bilder aus Italien sahen von Menschen, die auf Balkonen sangen, beschlossen wir, etwas zu schaffen, was Mut macht", berichtet Pfarrer Uffelmann - er war sehr beeindruckt davon, dass Menschen in diesen schweren Zeiten die Kraft aufbringen, sich und anderen noch etwas Gutes zu tun. Ursprünglich habe man das lediglich für die eigene Familie gemacht, als Ritual für die Kinder - "nachdem die Schulen geschlossen wurden, waren wir ja viel zu Hause." Auf Inspiration der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) sei die Wahl auf das Lied "Der Mond ist aufgegangen" gefallen - ein Lied, das bei Burkhard Uffelmann übrigens viele Kindheitserinnerungen auslöst. "Meine Mutter hat das früher immer gesungen."

Dieses Lied erklingt nun seit Mitte März an jedem Abend, rasch sprach sich im Ort herum, dass Familie Uffelmann vom Balkon aus musiziert. "Wir haben bisher schon viele Rückmeldungen erhalten, einige Menschen riefen uns an und bedankten sich für die trostvolle Musik", erklärt der Nieder-Enser Pfarrer. Mancher Zuhörer empfinde den Gesang als sehr Trost und Hoffnung spendend. Regelmäßig würden Spaziergänger und Radfahrer in der Feldgemarkung unterhalb der Kirche stehen bleiben, zuhören, winken und applaudieren, am Wochenende seien es mehr Menschen als wochentags. "Und wir selbst winken immer in alle Richtungen, das hat eine ganz neue Verbundenheit geschaffen." Sehr schön sei auch die Resonanz beim Gesang am 27. März gewesen, als Sohn Jonas Geburtstag hatte und die Familie nach dem eigentlichen Lied noch "Happy Birthday" für den jetzt Achtjährigen anstimmte. "Da riefen viele Menschen unserem Sohn Glückwünsche zu", erinnert sich Uffelmann, das sei sehr bewegend und für den Jungen ausgesprochen schön gewesen - eine Geburtstagsfeier mit Freunden musste ja schließlich wegen Corona ausfallen. 
"Durchziehen, bis es wieder Gottesdienste gibt"

Wie lange es den regelmäßigen Abendgesang in Nieder-Ense noch geben wird? "Bis wir wieder Gottesdienste feiern können, werden wir das auf jeden Fall durchziehen", versichert Burkhard Uffelmann. Das Lied, in dem es auch um den Tod gehe, schenke den Menschen Ruhe und Frieden. Danach sehnten sich viele in dieser besonderen Zeit. Und für viele Bewohner des Ortes ist nicht nur der eigentliche Gesang der Familie zu einem vertrauten Begleiter geworden, sondern auch der anschließende Gruß des achtjährigen Jonas. Er gibt seinen Mitbewohnern per Mikrofon Abend für Abend eine besondere Botschaft mit auf den Weg: "Gute Nacht, Nieder-Ense, bleibt gesund und haltet Euch an die Regeln." 

(Bild und Text: Sascha Pfannstiel)


Diakonisches Werk berät telefonisch und online

Die Suchtberatung des Diakonischen Werks Waldeck-Frankenberg hat ihre Standorte im Landkreis bis auf Weiteres für den Publikumsverkehr geschlossen. Dies dient dem Gesundheitsschutz der Ratsuchenden und Mitarbeitenden in Zeiten der Corona-Krise. 

Damit das Angebot der Beratung auch in Zeiten stark eingeschränkter persönlicher Kontakte aufrechterhalten wird, besteht wie bisher die Möglichkeit, telefonisch Kontakt aufzunehmen. Die Zentrale in Korbach ist montags bis donnerstags von 9 bis 12 Uhr sowie montags, dienstags und donnerstags von 14 bis 17 Uhr unter der Nummer 05631-60330 zu erreichen. Außerhalb dieser Zeiten ist ein Anrufbeantworter geschaltet. Man kann direkt zu einer der Beraterinnen oder einem Berater weitergeleitet werden oder einen Telefontermin vereinbaren.

Neues Beratungsangebot online

Außerdem hat die Suchtberatung kurzfristig eine Beratungsmöglichkeit per E-Mail über eine verschlüsselte Verbindung eingerichtet. Die Verschlüsselung ist besonders wichtig, da im normalen unverschlüsselten E-Mail-Austausch der Datenschutz nicht gewährleistet ist.  

Ratsuchende können dennoch mit den Fachkräften über eine verschlüsselte und sichere Verbindung über ProtonMail kommunizieren. Sie brauchen dazu lediglich eine E-Mail-Adresse bei Protonmail, die man kostenlos bei https://protonmail.com/de/ anlegen kann.

Die Mailadresse der Suchtberatung des Diakonischen Werks lautet Suchtberatung-DWWF@protonmail.com. Wenn beide Seiten über Protonmail kommunizieren, erfolgt der Mailaustausch verschlüsselt und die E-Mails können nicht von Dritten – auch nicht vom Anbieter des Maildienstes – eingesehen werden. ProtonMail wurde von Wissenschaftlern, Ingenieuren und Entwicklern in der Schweiz gegründet. Alle Server befinden sich in der Schweiz und alle Benutzerdaten sind durch das strenge Schweizer Datenschutzgesetz geschützt.

Familiäre Konflikte, fehlende Tagesstruktur, Existenzängste

Gerade in Krisenzeiten nimmt das Konsumverhalten bei manchen Menschen zu. Die Hintergründe dafür können vielfältig sein. Sie reichen von familiären Konflikten über fehlende Tagesstruktur bis hin zu existenziellen Ängsten. Mit diesen Schwierigkeiten sind durch die aktuellen Einschränkungen, die dem Gesundheitsschutz dienen, viele Menschen konfrontiert. Verunsicherung und unklare Perspektiven nehmen nach Auskunft des Diakonischen Werkes in der aktuellen Situation zu.

Um Menschen in akuten Krisen oder bei sich anbahnendem Suchtverlangen beraten und unterstützen zu können, sind die Mitarbeiter telefonisch und online erreichbar. Das Angebot besteht unabhängig davon, ob bereits eine Anbindung zur Beratungsstelle besteht oder Menschen erstmalig Kontakt aufnehmen möchten. Auch Anträge auf Rehabilitation werden bearbeitet. Die erforderlichen Unterlagen werden auf postalischem Weg ausgetauscht. Das Ausfüllen der Anträge wird von den Mitarbeitern bei Bedarf unterstützt.  

Auch Angehörige, Kinder, Eltern, Partner oder Freunde von Menschen mit Suchtmittelproblemen, die sich um einen nahestehenden Menschen Sorgen machen, können ebenfalls wie gewohnt die Beratungsangebote nutzen.



"Zuhause beten, Kerzen entzünden"

Die Bischöfin der EKKW hatte unter anderem empfohlen, Gottesdienste vorerst bis Ende April auszusetzen, Kirchen jedoch offen zu halten, die Glocken zu läuten und zu alternativen Seelsorgeformen überzugehen - Dr. Hofmann bezog sich dabei unter anderem auf Telefongespräche und Mail-Kontakt, regte aber auch Video-Gottesdienste und andere digitale Gebetsformate an. Hier würden entsprechende Angebote auch auf der Homepage ekkw.de und auf der Facebookseite der Landeskirche veröffentlicht.

Die Korbacher Stadtkirchengemeinde entschloss sich am Freitagnachmittag, der Empfehlung von höchster Stelle im Landeskirchenamt nachzukommen. So müssen die Korbacher am Wochenende auf Wochenschlussandacht und die sonntäglichen Gottesdienst verzichten,

Andachten in den Senioreneinrichtungen am Nordwall, in der Itterstraße und in der Enser Straße fallen ebenfalls aus. "Wer jedoch möchte, kann am Sonntagmorgen in seine Kirche kommen und dort beten", verdeutlichte die Dekanin, die Glocken würden läuten und es würden auch die Pfarrerinnen und Pfarrer anwesend sein. Man habe zudem die Gelegenheit, eine Kerze anzuzünden. "Man kann auch Zuhause beten eine Kerze anzünden", rät Pfarrerin Manuela Wolske - und hat den passenden Tipp, auf ungewöhnliche Weise Gemeinschaft zu schaffen: "Wer will, macht ein Foto davon und postet es in den sozialen Netzwerken." Dies schaffe zudem die Möglichkeit, sich auf anderen Wegen auszutauschen. Besuche zu Hause, wie sie von Ehrenamtlichen oder Pfarrersleuten angeboten werden, wird es in den kommenden Wochen vorerst nicht mehr geben.

Die Dekanin machte am Freitag aber deutlich, dass Beerdigungen weiterhin durchgeführt würden. Auf alle Familien, die Nachwuchs bekommen haben und in den kommenden Wochen die Taufe des Säuglings feiern wollten, kämen die zuständigen Pfarrer zu. Die noch ausstehenden Vorstellungsgottesdienste

Korbacher Konfirmanden fallen dem Corona-Virus zum Opfer, eine Entscheidung über die Durchführung der im April und Mai anstehenden Einsegnungen stehe noch aus. Die Anmeldung der neuen Konfirmanden sollten telefonisch bei den zuständigen Pfarrämtern vorgenommen werden - die dazu ursprünglich geplanten Elternabende fallen nämlich aus Gründen der Vorsicht aus.

Davon betroffen sind nach den Beratungen am Freitagnachmittag auch vorerst sämtliche Angebote in der Kinder- und Jugendarbeit sowie Chor- und Posaunenchorproben. Bevorstehende Konzerte am Samstag in Wrexen und am Sonntag in Korbach finden ebenfalls nicht statt. Ob ein für Mitte Mai geplantes größeres Konzert in der Kilianskirche über die Bühne gehen kann, werde noch entschieden. Die Korbacher Stadtkirchengemeinde empfahl externen Gruppen, die kirchliche Gebäude für Versammlungen oder zur Gymnastik nutzten, diese Aktivitäten ebenfalls auszusetzen. "Vorschreiben können wir das den Gruppen aber nicht", sagte der geschäftsführende Pfarrer Markus Heßler.

 



"Kirche vor Ort ein Gesicht geben"

Zu Beginn der Tagesveranstaltung ging Dekanin Eva Brinke-Kriebel auf einen ganz wichtigen Aspekt ein – sie reagierte auf die rückläufige Zahl an Gemeindegliedern auch in Kurhessen-Waldeck: „Wir werden weniger, aber nicht weniger wichtig“, verdeutlichte die Dekanin und unterstrich zugleich: „Wir werden gebraucht als Kirche.“ Brinke-Kriebel würdigte das Engagement der anwesenden Mitglieder der Kirchenvorstände: „Danke, dass Sie Kirche vor Ort ein Gesicht geben.“ In schwierigen Zeiten der sich verändernden Gesellschaft zähle es auch zu den Aufgaben, Solidarität und Mitmenschlichkeit zu fördern. Für die eigentlichen Aufgaben benötigten die Kirchenvorstände das Handwerkszeug, das bei dem Seminartag vermittelt wurde. Begleitet von Kantor Stefan Kammerer, sangen die Teilnehmer zur Einstimmung auch gemeinsame Lieder. 

Mit einem Impulsreferat zu „Chancen und Grenzen der Kirchenvorstands-Arbeit“ stimmte Diakon Dr. Ralph Fischer vom Referat Gemeindeentwicklung und Missionarische Dienste der EKKW die rund 70 Teilnehmer auf den Tag ein. Auch Fischer merkte an, dass die Mitglieder der Kirchenvorstände tief in ihren Gemeinden

verwurzelt und ein fester Bestandteil gemeindlichen Lebens seien. „Sie haben viel Verantwortung in Ihrem anspruchsvollen Amt, das mit Bedacht wahrgenommen werden sollte“, betonte der Vertreter der Landeskirche, der aber auch auf die Vielzahl an Möglichkeiten verwies. So könne man zahlreiche Angebote unterbreiten und das Gemeindeleben mitgestalten. Bei der Ausübung dieses Ehrenamtes seien die Kirchenvorsteherinnen und -vorsteher keineswegs allein – man wolle an einem solchen Tag die hauptamtlichen Ansprechpartner der Landeskirche vorstellen und appellieren, deren Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen. Das Referat Gemeindeentwicklung und Missionarische Dienste biete nicht zuletzt Seminare und Fortbildungen an, um thematische und praktische Hilfe zu bieten. 

Nach der gemeinsamen Einführung und einer kurzen Aussprache zum Impulsvortrag fanden sich die Teilnehmer in ihren Workshop-Gruppen wieder, in die sie sich nach eigenen Interessen eingewählt hatten. In den Räumen des Gemeindehauses gab es geballtes Wissen aus verschiedenen Themenbereichen: Thomas Iske aus dem Kirchenkreisamt führte in das kleine Einmaleins kirchlicher Finanzen ein, seine Kolleginnen Christine Dilling und Anja Völkel legten ein Fundament zum Thema Bau und Liegenschaften, Pfarrer Armin Beck berichtete von Kooperationen und über die Möglichkeiten des Fundraisings, und Dr. Ralph Fischer brachte seinen Zuhörern die

Struktur von Sitzungen näher. In der Kilianskirche diskutierten weitere Teilnehmer mit Pfarrerin Ulrike Joachimi über die Ausgestaltung von Gottesdiensten. Die Resonanz auf den Seminartag war überwiegend positiv. Als „beeindruckend und sehr wertvoll“ wertete später zum Beispiel Ralph Utzinger aus Diemelstadt die Veranstaltung. Er hatte sich in die Seminare „Gebäudemanagement“ und „Gottesdienste“ eingewählt. Der 52-Jährige, der ursprünglich aus Rheinland-Pfalz stammt und in Nordwaldeck eine neue Heimat gefunden hat, fühlt sich nach dem Tag „auf jeden Fall gut gerüstet für die Arbeit im Kirchenvorstand.“ Sollte ein solches Angebot wiederholt werden, nehme er es wegen der vielen guten Informationen gewiss in Anspruch, sagte Utzinger. „Ich würde mich sofort wieder anmelden.“ Dass einige der zuvor avisierten Workshops dann doch nicht angeboten worden seien, bedauerte Astrid Jechne aus Meineringhausen. Ihre Alternative – der Themenkomplex Sitzungen – habe ihr aber „sehr gut gefallen“, betonte die 47-Jährige. Sie habe viel Wissenswertes dazu erfahren, wie man Sitzungen vorbereitet und durchführt, was eine Sitzung erfolgreich werden lässt – und was man eher vermeiden sollte. „Es ging zum Beispiel auch darum, dass man eine Sitzung nicht im Wohnzimmer abhalten sollte“, ebenso wenig wie in überhitzten oder eiskalten Räumen. „Der Workshop war sehr lebendig und interessant“, sagte Astrid Jechne, die das Angebot für Kirchenvorstände „sehr gerne angenommen“ habe.  Text und Bilder: Sascha Pfannstiel




Kirche und Handwerk: Viel gemeinsam

Vöhl. Wie viele Gemeinsamkeiten das Handwerk und die Kirche haben, ist beim Handwerksgottesdienst am Samstagabend in der Vöhler Martinskirche deutlich geworden. Die vielleicht wichtigste: Ohne Handwerk und ohne Kirche würde unsere Gesellschaft nicht funktionieren. Mehr als 100 Besucher erlebten einen abwechslungsreichen Gottesdienst, den Handwerker aus der Region mitgestalteten.

 

Handwerksgottesdienste haben in Kurhessen-Waldeck eine lange Tradition. Dass Handwerk und Kirche seit Jahrhunderten eng miteinander verwoben sind, zeigte sich in der Liturgie des Vöhler Pfarrers Jan Friedrich Eisenberg: Gemeinsam mit Peter Grohme vom Arbeitskreis Handwerk und Kirche (AHK) bei der EKKW las er die Geschichte von der Ausbesserung des Tempels (2. Könige 12, 1-16).

Zum Weiterlesen hier ...

Bilder vom Handwerker-Gottesdienst in Vöhl. Fotos: Sascha Pfannstiel



Bischöfin beeindruckt von Ehrenamt

Twiste-Eisenberg. Großes ehrenamtliches Engagement, die Schwierigkeiten bei der Unterhaltung historischer Kirchen oder die Besonderheiten seelsorgerischer Arbeit in der weitläufigen Fläche des ländlichen Raums hat Dr. Beate Hofmann bei ihrem Antrittsbesuch im Kirchenkreis Twiste-Eisenberg kennen gelernt. Die neue Bischöfin der EKKW zeigte sich bei ihrer ganztägigen Rundreise äußerst interessiert und bot bei der Lösung bestehender Probleme ihre Hilfe an. 

 

Dass Kirche kein starres Konstrukt ist, wurde in den vergangenen Jahren in Korbach deutlich: Hier sind die einzelnen Bezirke zu einer Stadtkirchengemeinde fusioniert. Unter anderem von Kirchenkreisamtsleiter Bernd Merhof ließ sich die Bischöfin über die finanziellen Hintergründe informieren. Zuvor hatte Dekanin Eva Brinke-Kriebel die Besucherin aus Kassel in Besonderheiten aus dem Kirchenkreis eingeweiht und in dessen Strukturen eingeführt. In der Kilianskirche in Korbach bewunderte die

Bischöfin dann später unter anderem das 500 Jahre alte Altarbild des Franziskanermalers.

Die Rundreise führte Dr. Beate Hofmann dann ins Upland, wo der Besuch der romanischen Kirche von Welleringhausen anstand. Friedrich Behlen vom Kirchenvorstand blickte in die Geschichte der kleinen Wehrkirche, die im Jahr 1351 erstmals urkundlich erwähnt wurde und aktuell von Pfarrerin Stephanie Stracke betreut wird. Unter den 72 Kirchen im Kirchenkreis gibt es 26 romanische, deren Unterhaltung besondere finanzielle Aufwendungen bedeutet. "Dies wollten wir der Bischöfin bei ihrem Besuch auch verdeutlichen", betonte die Dekanin.

Die Finanzen waren dann auch Thema bei der nächsten Station: Im Willinger Ortsteil Schwalefeld gewährte die dortige Gemeinde Einblick in die Pilgerkirche. Rund 10.000 Menschen besuchen jährlich das Gotteshaus, in dem sich verschiedene Stationen eines Pilgerweges, eine Klagemauer und ein Wasserfall befinden. Pfarrerin Katrin Schröter und die ehrenamtlichen Helferinnen führten Bischöfin Dr. Hofmann zu den einzelnen Stationen, erläuterten diese und gaben Einblick in die aufwendige Arbeit - so gilt es, die Kirche häufig umzugestalten, besondere Veranstaltungen wie Konzerte oder ein besinnliches Valentins-Dinner durchzuführen. Die örtliche Pfarrerin

verdeutlichte, dass die Finanzierung die größte Schwierigkeit darstelle, würden sich doch die Zuweisungen der Landeskirche an den 350 Einwohnern des Ortes und nicht an den weitaus mehr Kirchenbesuchern orientieren. Um pro Jahr 10.000 Teelichte, unzählige Blumen und Material zur Ausgestaltung anzuschaffen, Prospekte drucken zu lassen, den hohen Wasserverbrauch durch Toilettengänge der Gäste zu zahlen oder Handwerkerrechnungen zu begleichen, sei die Gemeinde auf Spenden angewiesen. Der Willinger Bürgermeister Thomas Trachte, der die Zusammenarbeit zwischen politischer und Kirchengemeinde als vorbildlich wertete, äußerte sich kritisch zur fehlenden finanziellen Ausstattung. Generell regte der Verwaltungschef eine Sozialsteuer an, mit der der Staat auf die sinkende Zahl an Kirchenmitgliedern und die dadurch fehlenden Steuern reagieren müsse. Die Bischöfin, die als Andenken einen Pilgerstab geschenkt bekam, lobte das beeindruckende Engagement in Schwalefeld. 

Im Norden des Kirchenkreises besuchte Dr. Hofmann schließlich die Städte Bad Arolsen und Diemelstadt. In der Residenzstadt führte ein Stadtrundgang vom Residenzschloss bis hin zum Internationalen Suchdienst (Arolsen Archives), dessen Arbeit erläutert wurde. Nach einer Andacht und einem Abendessen in Rhoden nahm die Bischöfin schließlich an der Sitzung des Kirchenkreisvorstands teil. 

(Text und Fotos: Sascha Pfannstiel)



"Ein Zeichen setzen für Toleranz"

Korbach. Zwei Tage nach dem mutmaßlich rechtsextremen Terrorakt in Hanau mit insgesamt elf Toten sind am Freitagabend rund 250 Menschen zu einer Mahnwache vor der Korbacher Kilianskirche zusammengekommen. Sie gedachten der Opfer und sprachen sich deutlich gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit aus.

 

"Wir möchten unser Mitgefühl mit den Opfern des Hasses zeigen und gemeinsam ein Zeichen setzen für ein tolerantes Miteinander in unserer Stadt und unserem Land", hatte am Freitagmittag Dekanin Eva Brinke-Kriebel erklärt, nachdem Ursula Müller vom "Netzwerk Toleranz" die Mahnwache angeregt hatte. Zahlreiche Menschen folgten dem Aufruf, der sich rasch auf verschiedenen Wegen in der Stadt verbreitet hatte. Einige der Teilnehmer hatten spontan Plakate gestaltet, auf denen sie sich gegen Fremdenfeindlichkeit aussprachen, andere brachten in Gedenken an die Opfer von Hanau Kerzen oder Blumen mit. Mehrere Redner machten deutlich, dass unsere Gesellschaft den Rechtsextremismus nicht dulden dürfe.

 

Anette Pries vom Bürgerbündnis für ein weltoffenes und tolerantes Korbach erinnerte an den Hessentag in Korbach, bei dem vor der Kilianskirche das "Café International" gab, bei "dem wir mit

Menschen aus vielen Nationen unser Zusammenleben gefeiert haben." Nun stehe man erneut hier - "traurig, erschüttert, entsetzt und zornig nach dem Attentat von Hanau, verübt aus Hass auf das Fremde, aus Rassismus, aus Verachtung für Menschen mit ausländischen Wurzeln." Pries machte deutlich, dass die Toten von Hanau nicht Opfer eines Irren geworden seien, sondern Opfer einer rechtsterroristischen Ideologie. "Sie wurden nicht Opfer eines verrückten Einzeltäters, sie wurden Opfer derjenigen, die die Atmosphäre schaffen, in der sich Mörder getragen und gerechtfertigt fühlen", sagte Anette Pries. Man sei nun zusammen gekommen, um diesem zerstörerischen Hass entgegenzutreten.

 

Bürgermeister Klaus Friedrich rief auf gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus, gegen rechte Gewalt und Hass, gegen "die Kräfte, die unser demokratisches Grundwesen spalten wollen." Der Rathauschef betonte, dass rechtsradikale  Verschwörungs-theoretiker das Klima in der Gesellschaft vergiften würden. "Ein Zusammenhang zwischen rechten Hasspredigern und rechten Gewalttaten ist unbestritten", verdeutlichte der Bürgermeister.

 

Sensibel sein für kleine Anfänge von Hass und Gewalt
Man sei "erschüttert, traurig, fassungslos", sagte Dekanin Eva Brinke-Kriebel. Es sei wichtig, als christliche Kirchen Mitgefühl und Solidarität deutlich zu machen. "Wir trauern mit den Familien und Freunden der Opfer und schließen sie und die Opfer in unsere Gebete mit ein." Die Dekanin sagte, die rassistisch motivierte Gewalttat von Hanau erinnere auch an den Mord an Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke oder den Anschlag auf die Synagoge in Halle.

Brinke-Kriebel appellierte an die Menschen, sich noch deutlicher einzusetzen für ein friedliches und tolerantes Miteinander und noch sensibler zu werden für die kleinen Anfänge von Hass und Gewalt "auch hier bei uns." Sie zeigte sich dankbar für den guten Kontakt auch zwischen den unterschiedlichen Religionsgemeinschaften und verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen. Die Sehnsucht nach Frieden verbinde die Menschen - ebenso die Absage an jede Form von Gewalt und Rassismus.

 

Muhammed Balkan von der Türkisch-Islamischen Gemeinde in Korbach sagte, die Mahnwache gegen Rassismus sei ermutigend. "Wir alle wollen hier ein Zeichen setzen für Toleranz, Mitmenschlichkeit und für Respekt." Niemand dürfe wegen Herkunft, Geschlecht, sexueller Orientierung, Religion oder Hautfarbe diskriminiert werden, betonte Balkan. "Wir als die Türkisch-Islamische Gemeinde in Korbach rufen auf zum friedlichen Miteinander in unserer Gesellschaft." Als Mitglied des neu gegründeten Arbeitskreises "Region gegen Rassismus" sagte Karl-Heinz Stadtler, immer wieder sei ein gewisser "Alltagsrassismus" zu spüren. Jedwede Äußerung von Rassismus dürfe man aber nicht unwidersprochen lassen. Applaus löste Stadtlers deutliche Feststellung aus: "Mit Rassismus will niemand etwas zu tun haben."

Nach einem schweigenden Gebet gingen die Teilnehmer der Mahnwache auseinander, einige stellten Kerzen zum Gedenken an die Opfer vor dem Portal der Kilianskirche auf.



Neue Synode wählt Martina Steuber

Martina Steuber (Sechste von links) wurde zur Vorsitzenden der Kreissynode im Kirchenkreis Twiste-Eisenberg gewählt. Das Bild zeigt die Mitglieder des neuen Kirchenkreisvorstandes (von links): Susanne van Gevelt, Jochen Klein, Pfarrerin Claudia Engler, Martin Gerhard, Christian Hellwig, Präses Martina Steuber, Dekanin Eva Brinke-Kriebel, die Pfarrer Uwe Jahnke und Christian Röhling, die Pfarrerinnen Birgit Basteck und Christel Wagner, Cora Viesehon und Karin Bitter-Schwalenstöcker. (Foto: Markus Heßler)

 

Martina Steuber ist die neue Vorsitzende der Kreissynode im Kirchenkreis Twiste-Eisenberg. Die Korbacherin steht während der nächsten sechs Jahre dem Kirchenparlament vor.

 

Nach den Kirchenvorstandswahlen im September tagte Ende Januar erstmals die neue Kreissynode. Die Mitglieder vertreten die Gemeinden im Gebiet des Kirchenkreises, der sich von Diemelstadt im Norden über Volkmarsen, Twistetal und Korbach bis nach Sachsenberg im Süden erstreckt und in West-Ost-Ausrichtung von Willingen über Diemelsee bis nach Landau reicht. Im Gemeindehaus der Markuskirche in Korbach kamen von 98

Stimmberechtigten 83 zusammen. Nach einer gemeinsamen Abendmahlsfeier mit modernen geistlichen Liedern blickte Dekanin Eva Brinke-Kriebel auf wichtige Entwicklungen seit der vergangenen Synode zurück. Die Dekanin ging auch auf die Rolle der Kirche ein: "Wir sind ein wichtiger Bestandteil der Gesellschaft und bringen viele gute und wichtige Impulse mit ein", sagte Eva Brinke-Kriebel. Man sei aktiv in der Diakonie, in Kindertagesstätten, in der Kinder- und Jugendarbeit sowie in der Kirchenmusik. "Daneben gibt es in unseren Kirchengemeinden ein vielfältiges buntes Leben, das dazu einlädt, den Segen Gottes selbst zu empfangen und zu spüren und ihn weiterzugeben." Um die positiven Seiten von Kirche und Glauben noch stärker in die Öffentlichkeit zu tragen, habe der Kirchenkreis seit Februar Sascha Pfannstiel als einen Referenten für Öffentlichkeitsarbeit angestellt. Derzeit noch ausgeschrieben sei eine Stelle in der Jugendarbeit.

 

Die Wahlen zum Kirchenkreisvorstand ergaben folgende Ergebnisse: Neue Vorsitzende der Kreissynode (Präses) ist Martina Steuber aus Korbach, ihre Stellvertreterin ist künftig Pfarrerin Birgit Basteck (Landau). Weitere geistliche Mitglieder neben der Dekanin sind die Pfarrer Uwe Jahnke (Mengeringhausen) und

Christian Röhling (Willingen). Zu ihren Stellvertreterinnen gewählt wurden die Pfarrerinnen Claudia Engler (Diemelstadt-Rhoden) und Christel Wagner (Meineringhausen). Ehrenamtliche Mitglieder des neuen Kirchenkreisvorstands sind Karin Bitter-Schwalenstöcker (Lengefeld), Jochen Klein (Volkmarsen) und Susanne van Gevelt (Diemelstadt-Rhoden). Stellvertretende Laienmitglieder sind Christian Hellwig (Willingen), Martin Gerhard (Vasbeck) und Cora Viesehon (Hörle).

 

Aufgaben der Kreissynode

 

Wie ein kommunales Parlament befasst sich die Kreissynode als Leitungsgremium unter anderem mit den Finanzen des Kirchenkreises, mit den Gebäuden oder Personalien. Die Synodalen bilden auch Ausschüsse, in denen vor allem die Laienmitglieder ihre Fähigkeiten und Kenntnisse aus ihren Berufen einbringen können. Üblicherweise tagt die Kreissynode zweimal im Jahr, im Frühling und Herbst.

 

Die nächste Synode findet am 27. März in Bad Arolsen statt. Dort werden die Ausschüsse abschließend besetzt. Die Synodalen beraten zudem den Haushaltsplan und werden das Zahlenwerk voraussichtlich auch beschließen.


Wir informieren Sie gerne ...

und freuen uns über Rückmeldungen. Vielleicht haben Sie einen Fehler entdeckt, haben einen Vorschlag für neue Beiträge oder sonst eine Idee zu unserer Seite: Sie können uns gerne anmailen.

Bleiben Sie neugierig!

Unser Ansprechpartner:

 

Sascha Pfannstiel

sascha.pfannstiel@ekkw.de.