50 Jahre Ökumene in Korbach: Pilgerweg statt Fest

01.06.2020 Seit einem halben Jahrhundert leben und pflegen Christen in Korbach die Ökumene. An vielen Stellen gibt es Anknüpfungspunkte und gemeinsame Aktivitäten der Kirchengemeinden. Zu einem ökumenischen Pilgerweg lud am Pfingstmontag der Arbeitskreis Christlicher Kirchen in Korbach (ACK) ein - und schuf damit einen ansprechenden Ersatz für das Jubiläumsfest, das wegen Corona nicht stattfand. 

 

Sieben Gemeinden beteiligten sich an dem Projekt, das den ganzen Tag über anlockte: Die vier evangelischen Gemeinden Kilian, Nikolai, Markus und Johannes, die beiden katholischen Kirchen St. Josef und St. Marien sowie die zur Selbständig Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) gehörende Christuskirche. Dort empfing ein mit Sägemehl gestaltetes Labyrinth die Pilger vor dem Gotteshaus. Wie im echten Leben seien auch in diesem Labyrinth Weg- und Wendepunkte zu finden, wie Pastor Stefan Paternoster und Vorsteher Jochen Bergmann berichteten. Diese Punkte waren mit geistlichen Impulsen versehen. In der kleinen Kirche selbst waren biblische Worte 

 

Bitte zugreifen! Pfarrerin Christel Wagner zeigt im Bibelgarten der Markuskirche die Bibeln, die sich die Pilger am Pfingstmontag von den Tischen mitnehmen durften.               Foto: pfa


in verschiedenen Sprachen ausgelegt - passend zum Pfingstfest. Ebenfalls in verschiedenen Sprachen erlebten die Pilger das "Vater unser" in der Kilianskirche, wo das biblische Geschehen an Pfingsten aufge- gegriffen wurde. 

Bibeln zum kostenlosen Mitnehmen lagen im Bibelgarten der Markuskirche aus. Hier erfuhren die Besucher eine Menge über Sinn und Zweck des Bibelgartens, der sich aktuell in der Neugestaltung befindet. "Leider sind in der Vergangenheit einige Dinge mutwillig zerstört oder auch gestohlen worden", beklagte Pfarrerin Christel Wagner. Außerdem hätten Bauarbeiten auf dem Gelände stattgefunden. Den Angaben zufolge sucht die Gemeinde noch Interessierte, die sich ehrenamtlich um den Kräutergarten kümmern möchten. 

Auf der Wiese zwischen Nikolaikirche und Bürgerhaus wimmelte es am Montag nur so von Tauben - aus Papier, als Zeichen für den Heiligen Geist. Diese Tauben hatte die Gemeinde an Leinen aufgehängt und die Pilger ermutigt, ihre Wünsche an Gott darauf zu notieren. In der Johannesgemeinde galt es unter anderem, mit Papierblumen einen Maienbaum zu schmücken. In der katholischen Lichterkirche St. Marien gab es ebenfalls geistliche Impulse sowie ein Angebot des dortigen Kindergottesdienst- teams, in St. Josef informierte eine umfangreiche Ausstellung über 50 Jahre Ökumene in Korbach.         Sascha Pfannstiel 



In Corona-Zeiten geht "Gott Weg der Hoffnung mit uns"

 

 

 

 

 

 

 

Gottesdienst in Willingen: Von der Empore aus singt Paula Saure für die Gemeindemitglieder, die auf markierten Plätzen sitzen mussten. Außer im Upland gab es am Sonntagmorgen Gottesdienste in Korbach, Rhoden und Bad Arolsen.

(Foto: Sascha Pfannstiel)

Korbach/Bad Arolsen/Rhoden/Willingen. Gottesdienste, die seit Mitte März wegen der Corona-Pandemie nicht mehr gefeiert werden durften, hat es an diesem Sonntag im Kirchenkreis Twiste-Eisenberg in vier großen Kirchen gegeben - nur dort war es möglich, die Abstandsregeln beim Betreten und Verlassen der Gotteshäuser und in den Sitzreihen einzuhalten. Mitglieder der Kirchenvorstände führten beispielsweise in der Willinger Kirche die Besucher, die sich zuvor wie anderswo hatten anmelden müssen, auf markierte Plätze. In der Uplandgemeinde lagen Blätter aus, auf denen Gebete und Lieder abgedruckt waren - singen durften die Besucher aber nicht. 

 

Den Gottesdienst in Willingen hielt Pfarrer Christian Röhling gemeinsam mit seiner Kollegin, Pfarrerin Stephanie Stracke aus Usseln. Beide äußerten in der Begrüßung der Gemeinde ihre Freude darüber, dass "wir endlich wieder Gottesdienst feiern dürfen", es sei jedoch schade, dass man die Besucher "nur eingeschränkt sehen kann 

wegen der Masken", wie es Pfarrer Röhling formulierte. In den vergangenen Wochen habe man Gefahren erlebt, Rücksicht genommen, Herausforderungen bestanden und Verzicht geübt, blickte er auf die von Corona geprägte Zeit zurück. Wieder Gottesdienst halten zu können, fühle sich zwar vertraut, aber zugleich auch neu und fremd und anders an, betonte Pfarrerin Stracke. Heute wie in schweren Zeiten in der Vergangenheit könne man seine Sorgen vor Gott bringen. "Das war schon so während der Spanischen Grippe, aber auch im babylonischen Exil", verdeutlichte der Ortspfarrer, "damals gab es aber weder Home Office, noch Social Media." Die Menschen hätten sich damals an Gott gewandt. 

Christian Röhling berichtete der Gemeinde von einer Wanderung, die ihn kürzlich auf dem Ettelsberg an einem Holzbogen vorbei geführt habe mit der Inschrift "It's a beautiful journey" - das ganze Leben sei eine wunderschöne Reise, sagte der Pfarrer, auch wenn gerade durch Corona dunkle

Wolken am Himmel über uns aufgezogen seien. Vermutlich würden noch viele Generationen von Corona und den Auswirkungen sprechen. "Gott aber ist an unserer Seite und geht einen Weg der Hoffnung mit uns." Zeichen der Hoffnung seien für ihn zum Beispiel neue medizinische Erkenntnisse, steigende persönliche Kontakte, gegenseitige Hilfe oder die wieder wachsende Zahl an Gästen im Ort. Außer auf die dunklen Wolken am Himmel zu schauen, könne ein jeder Mensch danach gucken, was ihm aktuell Freude und Hoffnung gebe. 

Gemeinsam gesprochene Gebete waren am Sonntag zulässig, singen durfte die Gemeinde aber nicht. Dennoch war der Gottesdienst in der Willinger Kirche musikalisch ausgeschmückt. Organistin Christine Wallnau-Toepfer spielte mehrere Stücke auf der Orgel, ein Gesangstück brachte Paula Saure von der Empore aus zu Gehör - dafür erhielt die junge Sängerin auch reichlich Applaus. 

Sascha Pfannstiel



Gottesdienste im Kirchenkreis zu Pfingsten

24.05.2020 Für das kommende Pfingstwochenende sind im Kirchenkreis Twiste-Eisenberg folgende Gottesdienste geplant:

 

In der Kilianskirche in Korbach beginnt der Pfingstgottesdienst am Sonntag um 10 Uhr. Eine telefonische Anmeldung erbittet das Dekanat bis Freitagmittag unter der Rufnummer 05631/9736183. Einen ökumenischen Pilgerweg mit verschiedenen Stationen gibt es am Pfingstmontag (siehe unten). An den beiden katholischen Kirchen, der Selbständig Evangelisch Lutherischen Kirche und den vier evangelischen Kirchen wird von 9 bis 17 Uhr je eine Station auf 

interessierte Pilger warten, eine Anmeldung ist nicht notwendig.

In der Stadtkirche in Bad Arolsen wird am Pfingstsonntag um 10 Uhr Gottesdienst gefeiert, eine Anmeldung wird unter der Telefonnummer 05691/3337 erbeten. Auch in Mengeringhausen läuten die Glocken am Sonntag zum Gottesdienst um 10 Uhr. Wer in die Kirche gehen möchte, meldet sich unter der Nummer 05691/3562 an. Am Pfingstmontag gibt wird ein Gottesdienst in Helsen gefeiert (10 Uhr), die Kirchgänger melden sich unter der Nummer 05691/3337 an. Für den Gottesdienst in Landau am Montag um 10.45 Uhr werden Anmeldung unter den folgenden Nummern erbeten: 

Pfarramt Landau, 05696/995050, Anmeldung Lütersheim: Christa Schaake,  

05693/6060, Braunsen: Inge Dietzel, 05691/4220. Der Gottesdienst für die Region Nordwaldeck wird an Pfingsten in Volkmarsen gefeiert.

Die Kirchengemeinde in Willingen lädt am Pfingstsonntag um 10 Uhr zum Gottesdienst ein. Anmeldungen werden telefonisch in der Upland-Apotheke Willingen, Inhaberin Susanne Dreves, oder per E-Mail (pfarramt1.willingen@ekkw.de) entgegen genommen. Am Pfingstmontag gibt es keinen Gottesdienst, aber in allen Upland-Kirchen liegen Andachten zum Mitnehmen und man kann Kerzen entzünden.           pfa



Pfingstmontag: Pilgerweg führt zu mehreren Kirchen

25.05.2020 Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Korbach lädt am Pfingstmontag zu einem ökumenischen Pilgerweg durch Korbach ein.

 

An den beiden katholischen Kirchen, der Selbständig Evangelisch Lutherischen Kirche und den vier evangelischen Kirchen wird am Pfingstmontag in der Zeit von 9 bis 17 Uhr jeweils eine Station auf die Pilger warten. Die Angebote sind sehr unterschiedlich: So wird es in der Lichterkirche St. Marien Impulse zu Pfingsten geben, sowie ein Angebot des Kindergottesdienstteams. In der 

Josefskirche kann eine Ausstellung zur Korbacher Ökumene besucht werden. Die Station an der Markuskirche wird den Bibelgarten in den Fokus nehmen und an der Nikolaikirche wird eine Gebetsstation zum Heiligen Geist angeboten. Auch an der Johanneskirche, der Kilianskirche und der Selbständig Evangelisch Lutherischen Kirche werden geistliche Impulse auf die Pilger warten.

Wer mit pilgern möchte, ist herzlich eingeladen, den Pfingstmontag dazu zu nutzen und eigenständig alle oder auch nur einige der Stationen zu besuchen. Die 

derzeit geltenden Abstandsregeln aufgrund der Corona-Pandemie bitten die Veranstalter der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Korbach einzuhalten. Die ACK wünscht allen Interessierten einen begeisternden Pfingstmontag.



"Wöchentlicher Chorabend auch soziales Highlight"

Mit Ausbruch der Corona-Krise und dem Lockdown ist im Kirchenkreis Twiste-Eisenberg die Chor- und Posaunenchorarbeit weitgehend zum Erliegen gekommen. Mehr als 600 Menschen in den verschiedenen Chöre müssen seit Wochen auf ihr Hobby verzichten. Die Bezirkskantoren Jan Knobbe (Bad Arolsen) sowie Ingrid und Stefan Kammerer (Korbach) haben dennoch in diesen Zeiten alle Hände voll zu tun. Und mit der Wiederaufnahme der Gottesdienste an diesem Sonntag erklingt zumindest in einigen Kirchen wieder Musik. 

 

Auch wenn die Gemeinden in den Gottesdiensten aufgrund der Verordnungen nicht singen dürfen, wird in Korbach, Bad Arolsen, Willingen und Rhoden zum Beispiel Orgelmusik zu hören sein. Wochenlang war es still in den Gotteshäusern, und auch in den Gemeindehäusern und anderen Proberäumen war die Musik verstummt - aufgrund der Corona-Pandemie verbieten die Regeln seit Mitte März Zusammenkünfte auch von Chören und Posaunenchören. Man befinde sich seither in einer Art Schockstarre, bekräftigten die Bezirkskantoren Jan Knobbe, Ingrid und Stefan Kammerer in dieser Woche. Nicht nur, dass der Übungsbetrieb als Vorbereitung auf Konzerte und andere Auftritte ausgesetzt wurde. "Der Chorabend ist für viele auch ein soziales Highlight", nannte Ingrid Kammerer einen wesentlichen Aspekt. 

In einer Zeit, in der die Chorarbeit seit Wochen ruht, gelte es in besonderer Weise, Kontakt zu den Musikerinnen und Musikern zu halten. "Es wäre wirklich traurig, wenn einige vergessen würden, wie schön es im Chor ist", sagte Ingrid Kammerer. Sie glaube aber nicht, dass durch die Corona-Pause viele Sänger wegbrechen, "denn wir bekommen immer wieder die Rückmeldung, dass die Menschen das Singen vermissen." Dass die Probenarbeit derzeit weitgehend ruhe, sei sinnvoll, betonte Jan Knobbe: "Es geht jetzt auch darum vor allem die Älteren zu schützen." Und genau diese älteren 

Die Bezirkskantoren Jan Knobbe (Bad Arolsen, links) sowie Ingrid und Stefan Kammerer (Korbach).                    Foto: Sascha Pfannstiel

Chromitglieder könnten künftig zurückhaltender sein und die Proben, wenn sie denn wieder erlaubt seien, womöglich zögerlicher besuchen.  

Über eine Wiederaufnahme der Proben machen sich die Bezirkskantoren derzeit viele Gedanken. So könne man die Chöre in kleinere Gruppen aufteilen und dadurch die Mindestabstände einhalten, "aber das ist einfach nicht dasselbe Erlebnis." Es gelte jetzt auch, die Motivation für die Zeit nach Corona zu erhalten und Konzepte zu erarbeiten, um dann den Übungsbetrieb wieder aufnehmen zu können. Im Kirchenkreis Twiste-Eisenberg sind nach Angaben der Bezirkskantoren etwa 400 Erwachsene in gut einem Dutzend Chören aktiv, hinzu kommen Kantoreien, verschiedene Kinder- und Jugendchöre, Flötenensembles, Organisten sowie etwa 200 Mitglieder in rund 15 Posaunenchören. Diese dürften derzeit zumindest in Zweiergruppe auf der Straße oder in Innenhöfen von Senioreneinrichtungen auftreten. Dank Videokonferenz könnten derzeit zumindest virtuelle Übungsstunden stattfinden. 

Während die Musikerinnen und Musiker im Kirchenkreis ihre Proben und Auftritte schmerzlich vermissen, wirkt sich die überwiegende Ruhe auch auf die Kantoren 

 

aus. "Für mich ist es eine beunruhigende Stille", betonte Ingrid Kammerer, und es sei auch frustrierend - so habe man mit den Aktiven auf verschiedene Auftritte hingearbeitet, nun habe man aber alles absagen oder verschieben müssen. "Es ist auch belastend, das den Sängern mitzuteilen." Immerhin fördere die momentane Situation aber die Kreativität: "Wir denken natürlich über neue Wege nach." Von einer gewissen Entschleunigung sprach ihr Kollege Jan Knobbe, der derzeit mehr Zeit zum Orgelspielen findet und bereits neue Projekte für "die Zeit danach" vorbereitet. Und wenn bei künftigen Auftritten die Zahl der Musiker geringer sein müsse, wirke sich das natürlich auch auf die Auswahl der Stücke aus. Knobbe: "Da muss man vorbereitet sein." Sowohl in Arolsen, als auch in Korbach "arbeiten wir fieberhaft an neuen Konzepten, die wir dann umsetzen."

Glücklicherweise sei aktuell bereits schon mal der Orgelunterricht "auf Abstand" wieder möglich, erklärte Stefan Kammerer. Und sobald die Probenarbeit mit einem Posaunenschüler zugelassen sei, werde man auch diesen Unterricht wieder aufnehmen. Der Unterricht dauere unter momentanen Bedingungen aber wesentlich länger als üblich. "Nach dem Orgelspielen müssen wir zum Beispiel die Tastatur desinfizieren", verdeutlichte Stefan Kammerer. Auch sei der Orgelunterricht mit dem Mindestabstand zwischen Schüler und Lehrer wesentlich umständlicher, weil Griffe auf der Tastatur und die Nutzung der Pedale nicht wie früher direkt demonstriert werden könnten. 

 

Sowohl Ingrid und Stefan Kammerer, als auch Jan Knobbe hoffen, dass man schon in absehbarer Zeit zu einer gewissen Normalität zurückkehren kann. An Chormusik interessierte Menschen, die sich über die Arbeit informieren möchten, können die folgenden Internetseiten besuchen:

ev-kirche-bad-arolsen.de und evkirchekorbach.de

Sascha Pfannstiel



Anmeldung in Korbach, Willingen und Bad Arolsen nötig

Korbach/Bad Arolsen/Willingen/Rhoden. Mit vier Gottesdiensten am kommenden Sonntag, 24. Mai, kehrt der evangelische Kirchenkreis Twiste-Eisenberg langsam und behutsam zu öffentlich gefeierten Gottesdiensten zurück. Gottesdienste wird es geben in der Korbacher Kilianskirche, in der Kirche in Willingen sowie in den Stadtkirchen von Bad Arolsen und Rhoden. 

 

Während in Diemelstadt-Rhoden (Sonntag, 10.15 Uhr, Pfarrerin Claudia Engler) keine Anmeldung nötig ist, müssen sich Interessierte in den drei anderen Orten für den Besuch anmelden. Wer in Korbach zum Gottesdienst in der Kilianskirche (10 Uhr, Pfarrerin Christel Wagner) gehen möchte, der ruft bis Freitagmittag, 12 Uhr, unter der

Rufnummer 05631/9736183 im Dekanat an. Anmeldungen für den Gottesdienst in Bad Arolsen (10 Uhr Stadtkirche, Pfarrer Uwe K. Hoos-Vermeil) nimmt das Pfarramt telefonisch unter der Nummer 05691/3337 bis Mittwochabend, 18 Uhr, entgegen. Wer in Willingen (10 Uhr, Pfarrerin Stephanie Stracke und Pfarrer Christian Röhling) dem Gottesdienst beiwohnen möchte, der meldet sich telefonisch in der Upland-Apotheke Willingen, Inh. Susanne Dreves, oder per E-Mail (pfarramt1.willingen@ekkw.de) an. 

In allen Gottesdiensten besteht wegen der Corona-Bestimmungen nur ein begrenztes Platzangebot, die Besucher werden in die Plätze eingewiesen und müssen einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Desinfektionsmittel stehen für die Besucher 

bereit. Die Gemeinden werden nicht singen, die Gottesdienste aber musikalisch umrahmt. Auch das Verlassen der Kirchen erfolgt geordnet.

Bei großem Interesse sehen zumindest die Gemeinden in Willingen und Rhoden die Möglichkeit vor, einen zweiten Gottesdienst am selben Tag zu halten. Gleichzeitig haben die Gemeinden Verständnis "für alle, die aktuell noch keine Gottesdienste besuchen können oder möchten", sagte Dekanin Eva Brinke-Kriebel in der vergangenen Woche. Sie verwies zugleich auf Alternativangebote wie Onlineandachten oder "Gottesdienst in der Tüte". 

Weitere Informationen erhalten Interessierte in ihren Pfarrämtern. 

Sascha Pfannstiel



Langsame, behutsame Rückkehr zu Gottesdiensten

Eine langsame und behutsame Rückkehr zu öffentlich gefeierten Gottesdiensten wird es im Kirchenkreis Twiste-Eisenberg am Sonntag, 24. Mai, geben: Lediglich in den großen Kirchen in Korbach, Willingen, Bad Arolsen und Rhoden soll es an dem Tag Gottesdienste geben - unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln. Daher wird es ein beschränktes Platzangebot geben und auf Gesang verzichtet. 

 

Die Landeskirche hatte zum vergangenen Wochenende grünes Licht für die Wiederaufnahme von Gottesdiensten unter gewissen Auflagen gegeben. Für eine Umsetzung waren jedoch Beschlüsse der jeweiligen Kirchenvorstände nötig, außerdem war klar, dass lediglich die größeren Kirchengebäude die Möglichkeit zur Wiederaufnahme von Gottesdiensten bieten würden - in kleinen Gotteshäusern mit wenigen Sitzplätzen und engen Eingängen wäre die Einhaltung der gebotenen Abstandsregeln nur schwer möglich.

Inzwischen haben die meisten Kirchenvorstände im Kirchenkreis Twiste-Eisenberg getagt und überwiegend beschlossen, trotz bestehender Wünsche der Gemeindeglieder aus Sicherheitsgründen das Feiern von Gottesdiensten weiterhin auszusetzen. "Es ist zwar schön, dass wir wieder Gottesdienste feiern dürfen, aber deswegen 

noch lange nicht sinnvoll, es an vielen Orten zu tun", sagte Dekanin Eva Brinke-Kriebel am Dienstag. Man müsse weiterhin die Gefahren im Blick haben und Risiken vermeiden. "Wir haben Verständnis für alle, die aktuell noch keine Gottesdienste besuchen können oder möchten", sagte sie. Nach Auskunft der Dekanin sollen am Sonntag, 24. Mai, im Kirchenkreis lediglich Gottesdienste stattfinden in der Korbacher Kilianskirche, in der Willinger Kirche, in der Stadtkirche Bad Arolsen und in der Stadtkirche in Rhoden. Um auch in diesen großen Gotteshäusern die Abstandsregeln einzuhalten, gebe es ein beschränktes Platzangebot, "außerdem muss auf Singen leider verzichtet werden und ein Mund-Nasen-Schutz wird dringend empfohlen". Die genauen Modalitäten würden in der kommenden Woche, nach Abschluss der 

nötigen Vorbereitungen, bekannt gegeben. Fest steht bislang bereits, dass sich die Besucher in Korbach, Willingen und Bad Arolsen anmelden müssen. Die Kirchengemeinde in Rhoden verzichte auf diese Regelung, werde aber dennoch lediglich die maximal zulässige Zahl an Besuchern einlassen, hieß es am Dienstag.

Der Kirchenkreis veröffentlicht seit Wochen und auch weiterhin an jedem Sonntag eine Video-Andacht auf dieser Homepage, ähnliche Video- und Audio-Angebote stellen auch einzelne Gemeinden online. Darüber hinaus gibt es in mehreren Gemeinden zum Beispiel Gottesdienste in der Tüte zum Bestellen, Andachts- und Gebetsblätter, die in den Kirchen zum Mitnehmen ausliegen, oder auch Andachten per Telefon - kurze geistliche Impulse, die zum Beispiel auf dem Anrufbeantworter des Pfarramtes in Rhoden zu hören sind. Die Dekanin weist zudem darauf hin, dass die Pfarrerinnen und Pfarrer im Kirchenkreis über die Pfarrämter zu erreichen sind. 

Die bislang geplanten vier Gottesdienste will der Kirchenkreis nach Angaben der Dekanin auch dazu nutzen, um Erfahrungen zu sammeln. Wie groß das Interesse tatsächlich sei und wie sich sämtliche Abläufe gestalteten, werde man am 24. Mai sehen. Daraus würden dann weitere Planungen, auch für das nachfolgende Pfingstwochenende, abgeleitet. 



Viele Vorbereitungen für Rückkehr zu Gottesdiensten

Um wieder Gottesdienste feiern zu können, müssten laut Dekanin Brinke-Kriebel zunächst sämtliche Belange zur Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln geklärt werden, man benötige zudem ein gewisses "Personal", um die Vorgaben auch umzusetzen. "Wir brauchen zum Beispiel die Mitglieder des Kirchenvorstands, den Küster oder andere Helfer, die selbst nicht zu den Risikogruppen gehören dürfen, um das alles in der Praxis auch durchführen zu können", erläutert die Dekanin. So müsse man darauf achten, dass die Besucher anderthalb bis zwei Meter voneinander entfernt säßen und die sich dadurch ergebende Zahl der zugelassenen Personen in einer Kirche nicht überschritten werde. "Fest steht, dass 

überhaupt nur die größeren Kirchen für eine Wiederaufnahme von Gottesdiensten geeignet sind." Von den Pfarrerinnen und Pfarrern habe es den Wunsch nach einer einheitlichen Strategie im Kirchenkreis gegeben. Diese müsse nun, nach Erlass der EKKW-Verfügung, erarbeitet werden.

Brinke-Kriebel betonte, dass sich die Risikolage nicht verbessert habe. Weil die Kirchen nicht unter wirtschaftlichem Druck stünden, könne man die Wiederaufnahme von Gottesdienste sorgfältig und in Ruhe vorbereiten. Man werde die Maßnahmen zum Infektionsschutz als oberstes Kriterium für das weitere Vorgehen ansetzen. Zudem müsse man bedenken, dass viele treue Gottesdienstbesucher schließlich ältere Menschen seien und damit zur Risikogruppe gehörten. "Außerdem wissen wir selbst ja noch gar nicht, ob viele Menschen aktuell wieder einen Gottesdienst besuchen möchten oder eher vorsichtig und zurückhaltend sind", verdeutlichte die Dekanin. Sowohl bei den Besuchern als auch bei den Pfarrersleuten sei ein Mund-Nasen-Schutz geboten.

Unabhängig vom Zeitpunkt einer Wiederaufnahme steht den Angaben aus dem Kirchenkreis Twiste-Eisenberg zufolge schon jetzt fest, "dass die Gottesdienste zunächst anders werden als vor Corona", sagte Eva Brinke-Kriebel. So werde es kürzere Andachten ohne Gesang und Abendmahl geben. Es würden keine Gesangbücher ausgelegt, lediglich die Orgel sorge für eine musikalische Ausgestaltung. "Das wird ein völlig anderes Gemeinschaftserlebnis sein, als wir es bisher kannten."

Der Kirchenkreis veröffentlicht an jedem Wochenende auf dieser Homepage einen kurzen Video-Gottesdienste, viele Gemeinden veröffentlichen im Internet weitere Angebote - in Diemelstadt zum Beispiel gibt es sonntäglich einen Gottesdienst per Telefon auf dem Anrufbeantworter. Die Pfarrämter sind wie gewohnt telefonisch zu erreichen. In zahlreichen Kirchen liegen auch Andachten und Gebetsblätter zum Mitnehmen aus.

(Sascha Pfannstiel)



Pfarrersfamilie singt jeden Abend für Nieder-Ense

Seit mehr als vier Wochen erklingt im Korbacher Stadtteil Nieder-Ense jeden Abend das Lied "Der Mond ist aufgegangen" vom Balkon der Familie Uffelmann. Der örtliche Pfarrer, seine Frau und die beiden Kinder haben in Corona-Zeiten ein Ritual geschaffen, das Trost spendet, Gefallen findet und für viel Resonanz gesorgt hat.

 

Unermüdlich beschallt die Pfarrersfamilie seit dem 18. März allabendlich den Korbacher Stadtteil: Auf dem Balkon des Pfarrhauses in der Quellenstraße sind ein E-Klavier und eine große Lautsprecherbox installiert, pünktlich um 19 Uhr greift Sohn Jonas (8) zum Mikrofon und Tochter Insa in die Tasten, Mutter Kerstin und Vater Burkhard begleiten ihre Kinder mit kräftiger Stimme. Das Abendlied erklingt Dank technischer Unterstützung in weiten Teilen des Ortes, inzwischen finden sich regelmäßig sogar treue Fans auf einem Feldweg gegenüber ein und lauschen dem akustischen Ritual. 

"Als die Corona-Pandemie im März so richtig wütete und wir anrührende Bilder aus Italien sahen von Menschen, die auf Balkonen sangen, beschlossen wir, etwas zu schaffen, was Mut macht", berichtet Pfarrer Uffelmann - er war sehr beeindruckt davon, dass Menschen in diesen schweren Zeiten die Kraft aufbringen, sich und anderen noch etwas Gutes zu tun. Ursprünglich habe man das lediglich für die eigene Familie gemacht, als Ritual für die Kinder - "nachdem die Schulen geschlossen wurden, waren wir ja viel zu Hause." Auf Inspiration der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) sei die Wahl auf das Lied "Der Mond ist aufgegangen" gefallen - ein Lied, das bei Burkhard Uffelmann übrigens viele Kindheitserinnerungen auslöst. "Meine Mutter hat das früher immer gesungen."

Dieses Lied erklingt nun seit Mitte März an jedem Abend, rasch sprach sich im Ort herum, dass Familie Uffelmann vom Balkon aus musiziert. "Wir haben bisher schon viele Rückmeldungen erhalten, einige Menschen riefen uns an und bedankten sich für die trostvolle Musik", erklärt der Nieder-Enser Pfarrer. Mancher Zuhörer empfinde den Gesang als sehr Trost und Hoffnung spendend. Regelmäßig würden Spaziergänger und Radfahrer in der Feldgemarkung unterhalb der Kirche stehen bleiben, zuhören, winken und applaudieren, am Wochenende seien es mehr Menschen als wochentags. "Und wir selbst winken immer in alle Richtungen, das hat eine ganz neue Verbundenheit geschaffen." Sehr schön sei auch die Resonanz beim Gesang am 27. März gewesen, als Sohn Jonas Geburtstag hatte und die Familie nach dem eigentlichen Lied noch "Happy Birthday" für den jetzt Achtjährigen anstimmte. "Da riefen viele Menschen unserem Sohn Glückwünsche zu", erinnert sich Uffelmann, das sei sehr bewegend und für den Jungen ausgesprochen schön gewesen - eine Geburtstagsfeier mit Freunden musste ja schließlich wegen Corona ausfallen. 
"Durchziehen, bis es wieder Gottesdienste gibt"

Wie lange es den regelmäßigen Abendgesang in Nieder-Ense noch geben wird? "Bis wir wieder Gottesdienste feiern können, werden wir das auf jeden Fall durchziehen", versichert Burkhard Uffelmann. Das Lied, in dem es auch um den Tod gehe, schenke den Menschen Ruhe und Frieden. Danach sehnten sich viele in dieser besonderen Zeit. Und für viele Bewohner des Ortes ist nicht nur der eigentliche Gesang der Familie zu einem vertrauten Begleiter geworden, sondern auch der anschließende Gruß des achtjährigen Jonas. Er gibt seinen Mitbewohnern per Mikrofon Abend für Abend eine besondere Botschaft mit auf den Weg: "Gute Nacht, Nieder-Ense, bleibt gesund und haltet Euch an die Regeln." 

(Bild und Text: Sascha Pfannstiel)


Diakonisches Werk berät telefonisch und online

Die Suchtberatung des Diakonischen Werks Waldeck-Frankenberg hat ihre Standorte im Landkreis bis auf Weiteres für den Publikumsverkehr geschlossen. Dies dient dem Gesundheitsschutz der Ratsuchenden und Mitarbeitenden in Zeiten der Corona-Krise. 

Damit das Angebot der Beratung auch in Zeiten stark eingeschränkter persönlicher Kontakte aufrechterhalten wird, besteht wie bisher die Möglichkeit, telefonisch Kontakt aufzunehmen. Die Zentrale in Korbach ist montags bis donnerstags von 9 bis 12 Uhr sowie montags, dienstags und donnerstags von 14 bis 17 Uhr unter der Nummer 05631-60330 zu erreichen. Außerhalb dieser Zeiten ist ein Anrufbeantworter geschaltet. Man kann direkt zu einer der Beraterinnen oder einem Berater weitergeleitet werden oder einen Telefontermin vereinbaren.

Neues Beratungsangebot online

Außerdem hat die Suchtberatung kurzfristig eine Beratungsmöglichkeit per E-Mail über eine verschlüsselte Verbindung eingerichtet. Die Verschlüsselung ist besonders wichtig, da im normalen unverschlüsselten E-Mail-Austausch der Datenschutz nicht gewährleistet ist.  

Ratsuchende können dennoch mit den Fachkräften über eine verschlüsselte und sichere Verbindung über ProtonMail kommunizieren. Sie brauchen dazu lediglich eine E-Mail-Adresse bei Protonmail, die man kostenlos bei https://protonmail.com/de/ anlegen kann.

Die Mailadresse der Suchtberatung des Diakonischen Werks lautet Suchtberatung-DWWF@protonmail.com. Wenn beide Seiten über Protonmail kommunizieren, erfolgt der Mailaustausch verschlüsselt und die E-Mails können nicht von Dritten – auch nicht vom Anbieter des Maildienstes – eingesehen werden. ProtonMail wurde von Wissenschaftlern, Ingenieuren und Entwicklern in der Schweiz gegründet. Alle Server befinden sich in der Schweiz und alle Benutzerdaten sind durch das strenge Schweizer Datenschutzgesetz geschützt.

Familiäre Konflikte, fehlende Tagesstruktur, Existenzängste

Gerade in Krisenzeiten nimmt das Konsumverhalten bei manchen Menschen zu. Die Hintergründe dafür können vielfältig sein. Sie reichen von familiären Konflikten über fehlende Tagesstruktur bis hin zu existenziellen Ängsten. Mit diesen Schwierigkeiten sind durch die aktuellen Einschränkungen, die dem Gesundheitsschutz dienen, viele Menschen konfrontiert. Verunsicherung und unklare Perspektiven nehmen nach Auskunft des Diakonischen Werkes in der aktuellen Situation zu.

Um Menschen in akuten Krisen oder bei sich anbahnendem Suchtverlangen beraten und unterstützen zu können, sind die Mitarbeiter telefonisch und online erreichbar. Das Angebot besteht unabhängig davon, ob bereits eine Anbindung zur Beratungsstelle besteht oder Menschen erstmalig Kontakt aufnehmen möchten. Auch Anträge auf Rehabilitation werden bearbeitet. Die erforderlichen Unterlagen werden auf postalischem Weg ausgetauscht. Das Ausfüllen der Anträge wird von den Mitarbeitern bei Bedarf unterstützt.  

Auch Angehörige, Kinder, Eltern, Partner oder Freunde von Menschen mit Suchtmittelproblemen, die sich um einen nahestehenden Menschen Sorgen machen, können ebenfalls wie gewohnt die Beratungsangebote nutzen.



14.3.2020

Corona: Konfirmationen verschoben

Die Bischöfin von Kurhessen-Waldeck (EKKW), Dr. Beate Hofmann, hatte in der vergangenen Woche die vorübergehende Aussetzung aller Gottesdienste und anderer kirchlicher Veranstaltungen empfohlen. Dieser Empfehlung kommen die Gemeinden im Kirchenkreis Twiste-Eisenberg nach. "Wir bleiben aber präsent, denn gerade in solchen unsicheren Zeiten ist es uns wichtig, für die Menschen da zu sein und zu beten", verdeutlichte Dekanin Eva Brinke-Kriebel. Ihr Vorgänger im Amt, Bernd Böttner, inzwischen Prälat der Landeskirche, gab am Dienstag die vom Krisenstab in Kassel gefassten neuen Regelungen bekannt.

Auch das Thema Beerdigungen beschäftigt die Menschen. "Tote zu bestatten, ist ein Werk der Barmherzigkeit", hatte Bischöfin Hofmann in der vergangenen Woche erklärt. Demnach werden im Kirchenkreis Verstorbene auch weiterhin zu Grabe getragen - unter Beachtung der Vorschriften

des Landes, wonach es keine Versammlungen von mehr als 100 Menschen mehr geben darf. Die Landeskirche riet den Kirchengemeinden dringend dazu, den Teilnehmerkreis von Beerdigungen so klein wie möglich und die Trauerfeiern lediglich am Grab zu halten.

Demnach läuten die Gemeinden nun nicht mehr am Sonntag zu den üblichen Gottesdienstzeiten, sondern sollen dies täglich um 12 Uhr tun - und damit zum Gebet einladen: "Für alle Menschen in Angst und Sorge, für die, die in Quarantäne leben, für die im Gesundheitsdienst Tätigen, die vor großen Herausforderungen stehen - und für die Sterbenden", sagte Prälat Böttner am Dienstag. Die Dekanin schlug vor, die Menschen könnten auch zu Hause beten und Kerzen entzünden. Auf einigen Facebookseiten von Gemeinden im Kirchenkreis seien davon bereits Bilder gepostet worden. "Das ist auch eine Form von Gemeinschaft", sagte Brinke-Kriebel. 

Bei den anstehenden Konfirmationen gibt es im Kirchenkreis zwar bisher noch keine einheitliche Regelung, doch zeichnet sich ab, dass die Einsegnungen verschoben werden - zumindest die Konfirmationen bis Ende April werden voraussichtlich in den Spätsommer verlegt. Vorstellungsgottesdienste der Jugendlichen wurden bereits abgesagt. Bei bereits angemeldeten Taufen - wie auf dem Archivbild in der Kirche in Lengefeld - und Trauungen nehmen die Pfarrerinnen und Pfarrer im Kirchenkreis Twiste-Eisenberg Kontakt zu den Familien auf.

"Wir gehen davon aus, dass die Familien auch mit Blick auf ihre eigene Gesundheit dafür Verständnis haben", sagte Eva Brinke-Kriebel. Da bei kirchlichen Trauungen häufig eine große Zahl an Gästen anwesend sei, würden diese Gottesdienste auf einen anderen Termin verlegt.

 

Dekanat für Publikumsverkehr geschlossen

Seit Montag ist die Kirchenverwaltung in der Kilianstraße 5 in Korbach für den regulären Publikumsverkehr geschlossen. Dort sind die Mitarbeiter aber ebenso telefonisch erreichbar wie die jeweiligen Pfarrämter. Informationen vor Ort böten auch die Schaukästen an Kirchen oder Gemeindehäusern. Die Dekanin riet den Menschen im Kirchenkreis, auf ältere und schwächere Mitmenschen zu achten und ihnen nach Möglichkeit Hilfe anzubieten. 

Eva Brinke-Kriebel verwies zudem darauf, dass man für die Zeit der Corona-Krise alternative Gottesdienst- und Seelsorgeformen vorbereite. "Wir können uns gut vorstellen, eigene Videoandachten zu veröffentlichen." In einigen Gemeinden würden auch Andachten auf Papier zum Mitnehmen ausgelegt.  

 

(Text und Archivbild: Sascha Pfannstiel) 



"Zuhause beten, Kerzen entzünden"

Die Bischöfin der EKKW hatte unter anderem empfohlen, Gottesdienste vorerst bis Ende April auszusetzen, Kirchen jedoch offen zu halten, die Glocken zu läuten und zu alternativen Seelsorgeformen überzugehen - Dr. Hofmann bezog sich dabei unter anderem auf Telefongespräche und Mail-Kontakt, regte aber auch Video-Gottesdienste und andere digitale Gebetsformate an. Hier würden entsprechende Angebote auch auf der Homepage ekkw.de und auf der Facebookseite der Landeskirche veröffentlicht.

Die Korbacher Stadtkirchengemeinde entschloss sich am Freitagnachmittag, der Empfehlung von höchster Stelle im Landeskirchenamt nachzukommen. So müssen die Korbacher am Wochenende auf Wochenschlussandacht und die sonntäglichen Gottesdienst verzichten,

Andachten in den Senioreneinrichtungen am Nordwall, in der Itterstraße und in der Enser Straße fallen ebenfalls aus. "Wer jedoch möchte, kann am Sonntagmorgen in seine Kirche kommen und dort beten", verdeutlichte die Dekanin, die Glocken würden läuten und es würden auch die Pfarrerinnen und Pfarrer anwesend sein. Man habe zudem die Gelegenheit, eine Kerze anzuzünden. "Man kann auch Zuhause beten eine Kerze anzünden", rät Pfarrerin Manuela Wolske - und hat den passenden Tipp, auf ungewöhnliche Weise Gemeinschaft zu schaffen: "Wer will, macht ein Foto davon und postet es in den sozialen Netzwerken." Dies schaffe zudem die Möglichkeit, sich auf anderen Wegen auszutauschen. Besuche zu Hause, wie sie von Ehrenamtlichen oder Pfarrersleuten angeboten werden, wird es in den kommenden Wochen vorerst nicht mehr geben.

Die Dekanin machte am Freitag aber deutlich, dass Beerdigungen weiterhin durchgeführt würden. Auf alle Familien, die Nachwuchs bekommen haben und in den kommenden Wochen die Taufe des Säuglings feiern wollten, kämen die zuständigen Pfarrer zu. Die noch ausstehenden Vorstellungsgottesdienste

Korbacher Konfirmanden fallen dem Corona-Virus zum Opfer, eine Entscheidung über die Durchführung der im April und Mai anstehenden Einsegnungen stehe noch aus. Die Anmeldung der neuen Konfirmanden sollten telefonisch bei den zuständigen Pfarrämtern vorgenommen werden - die dazu ursprünglich geplanten Elternabende fallen nämlich aus Gründen der Vorsicht aus.

Davon betroffen sind nach den Beratungen am Freitagnachmittag auch vorerst sämtliche Angebote in der Kinder- und Jugendarbeit sowie Chor- und Posaunenchorproben. Bevorstehende Konzerte am Samstag in Wrexen und am Sonntag in Korbach finden ebenfalls nicht statt. Ob ein für Mitte Mai geplantes größeres Konzert in der Kilianskirche über die Bühne gehen kann, werde noch entschieden. Die Korbacher Stadtkirchengemeinde empfahl externen Gruppen, die kirchliche Gebäude für Versammlungen oder zur Gymnastik nutzten, diese Aktivitäten ebenfalls auszusetzen. "Vorschreiben können wir das den Gruppen aber nicht", sagte der geschäftsführende Pfarrer Markus Heßler.

 



"Kirche vor Ort ein Gesicht geben"

Zu Beginn der Tagesveranstaltung ging Dekanin Eva Brinke-Kriebel auf einen ganz wichtigen Aspekt ein – sie reagierte auf die rückläufige Zahl an Gemeindegliedern auch in Kurhessen-Waldeck: „Wir werden weniger, aber nicht weniger wichtig“, verdeutlichte die Dekanin und unterstrich zugleich: „Wir werden gebraucht als Kirche.“ Brinke-Kriebel würdigte das Engagement der anwesenden Mitglieder der Kirchenvorstände: „Danke, dass Sie Kirche vor Ort ein Gesicht geben.“ In schwierigen Zeiten der sich verändernden Gesellschaft zähle es auch zu den Aufgaben, Solidarität und Mitmenschlichkeit zu fördern. Für die eigentlichen Aufgaben benötigten die Kirchenvorstände das Handwerkszeug, das bei dem Seminartag vermittelt wurde. Begleitet von Kantor Stefan Kammerer, sangen die Teilnehmer zur Einstimmung auch gemeinsame Lieder. 

Mit einem Impulsreferat zu „Chancen und Grenzen der Kirchenvorstands-Arbeit“ stimmte Diakon Dr. Ralph Fischer vom Referat Gemeindeentwicklung und Missionarische Dienste der EKKW die rund 70 Teilnehmer auf den Tag ein. Auch Fischer merkte an, dass die Mitglieder der Kirchenvorstände tief in ihren Gemeinden

verwurzelt und ein fester Bestandteil gemeindlichen Lebens seien. „Sie haben viel Verantwortung in Ihrem anspruchsvollen Amt, das mit Bedacht wahrgenommen werden sollte“, betonte der Vertreter der Landeskirche, der aber auch auf die Vielzahl an Möglichkeiten verwies. So könne man zahlreiche Angebote unterbreiten und das Gemeindeleben mitgestalten. Bei der Ausübung dieses Ehrenamtes seien die Kirchenvorsteherinnen und -vorsteher keineswegs allein – man wolle an einem solchen Tag die hauptamtlichen Ansprechpartner der Landeskirche vorstellen und appellieren, deren Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen. Das Referat Gemeindeentwicklung und Missionarische Dienste biete nicht zuletzt Seminare und Fortbildungen an, um thematische und praktische Hilfe zu bieten. 

Nach der gemeinsamen Einführung und einer kurzen Aussprache zum Impulsvortrag fanden sich die Teilnehmer in ihren Workshop-Gruppen wieder, in die sie sich nach eigenen Interessen eingewählt hatten. In den Räumen des Gemeindehauses gab es geballtes Wissen aus verschiedenen Themenbereichen: Thomas Iske aus dem Kirchenkreisamt führte in das kleine Einmaleins kirchlicher Finanzen ein, seine Kolleginnen Christine Dilling und Anja Völkel legten ein Fundament zum Thema Bau und Liegenschaften, Pfarrer Armin Beck berichtete von Kooperationen und über die Möglichkeiten des Fundraisings, und Dr. Ralph Fischer brachte seinen Zuhörern die

Struktur von Sitzungen näher. In der Kilianskirche diskutierten weitere Teilnehmer mit Pfarrerin Ulrike Joachimi über die Ausgestaltung von Gottesdiensten. Die Resonanz auf den Seminartag war überwiegend positiv. Als „beeindruckend und sehr wertvoll“ wertete später zum Beispiel Ralph Utzinger aus Diemelstadt die Veranstaltung. Er hatte sich in die Seminare „Gebäudemanagement“ und „Gottesdienste“ eingewählt. Der 52-Jährige, der ursprünglich aus Rheinland-Pfalz stammt und in Nordwaldeck eine neue Heimat gefunden hat, fühlt sich nach dem Tag „auf jeden Fall gut gerüstet für die Arbeit im Kirchenvorstand.“ Sollte ein solches Angebot wiederholt werden, nehme er es wegen der vielen guten Informationen gewiss in Anspruch, sagte Utzinger. „Ich würde mich sofort wieder anmelden.“ Dass einige der zuvor avisierten Workshops dann doch nicht angeboten worden seien, bedauerte Astrid Jechne aus Meineringhausen. Ihre Alternative – der Themenkomplex Sitzungen – habe ihr aber „sehr gut gefallen“, betonte die 47-Jährige. Sie habe viel Wissenswertes dazu erfahren, wie man Sitzungen vorbereitet und durchführt, was eine Sitzung erfolgreich werden lässt – und was man eher vermeiden sollte. „Es ging zum Beispiel auch darum, dass man eine Sitzung nicht im Wohnzimmer abhalten sollte“, ebenso wenig wie in überhitzten oder eiskalten Räumen. „Der Workshop war sehr lebendig und interessant“, sagte Astrid Jechne, die das Angebot für Kirchenvorstände „sehr gerne angenommen“ habe.  Text und Bilder: Sascha Pfannstiel



"Situation der Frauen sehr schlecht"

In zahlreichen Gottesdiensten zum Weltgebetstag ging es am Freitagabend im Kirchenkreis Twiste-Eisenberg sehr musikalisch zu. Das Bild entstand in der Korbacher Markuskirche, wo sich dieser ökumenische Projektchor Jahr für Jahr lediglich für die Feier am ersten Freitag im März zusammenfindet. Foto: Sascha Pfannstiel

 

Mit Liedern und Texten, einem Themenheft und teils auch bei Filmvorführungen erfuhren die Menschen in den Gottesdiensten mehr über das Leben in dem im Süden Afrikas gelegenen Staat. "Die Situation der Frauen dort ist sehr schlecht", sagte beispielsweise Barbara Fischer-Jahn

in der Korbacher Markuskirche. Dort waren rund 80 Gäste zum Gottesdienst am Freitagabend gekommen. In der Kreisstadt hatte laut Fischer-Jahn ein gut 20-köpfiges ökumenisches Team aus mehreren Gemeinden sämtliche Vorbereitungen für den Weltgebetstag getroffen. Unter anderem hatte sich wieder ein siebenköpfiger Chor zusammengefunden, der seit vielen Jahren immer "nur" am ersten Freitag im März auftritt und die Feier musikalisch begleitet. In Korbach sangen die Besucher kräftig mit, die im Begleitheft abgedruckten Lieder stammen aus Simbabwe. 

Das Bild auf der Titelseite hat eine Künstlerin aus dem afrikanischen Land gemalt, es symbolisiert das diesjährige Motto: "Steh auf und geh!" Das farbenfrohe Bild zeigt das gesellschaftliche Leben in Simbabwe: Im oberen Teil stellt die Künstlerin von rechts nach links den Übergang von einer dunklen, schwierigen Vergangenheit in eine vielversprechende Zukunft dar. Im unteren Teil des Bildes hat sich die Malerin

Nonhlanhla Mathe von der Bibelstelle, der Heilung des Gelähmten (Johannes 5, 2-9 a) inspirieren lassen. Und eben diese Bibelstelle stand im Mittelpunkt des Weltgebetstags. Darin geht es um Jesu Heilung des Gelähmten mit den Worten "Steh auf und geh" - passend zum Gebetstag der Frauen wird Jesus in diesem Bild übrigens von einer Frau dargestellt. Über die Situation der Frauen in Simbabwe, das nach langer britischer Führung erst 1980 unabhängig wurde, gewaltsame Konflikte erlebte und wirtschaftlich am Boden liegt, informierten auch drei Briefe dortiger Frauen. Diese wurden im Gottesdienst in Auszügen vorgelesen. Wie auch in Korbach gab es in den meisten Orten nach dem Gottesdienst ein Beisammensein in Kirchen, Gemeinde- oder Dorfgemeinschaftshäusern. Darin tauschten sich die Gäste über Simbabwe und deren Einwohnerinnen aus, sahen sich Fotos aus Afrika an, erfuhren noch mehr über das Land und genossen gemeinsam landestypische Speisen.



Informationen über Frauen in Simbabwe

„Steh auf und geh!” – so lautet der Titel des diesjährigen Weltgebetstags. Das Titelbild, mit dem Namen „Rise! Take Your Mat and Walk” zeigt das gesellschaftliche Leben in Simbabwe: Im oberen Teil stellt die Künstlerin Nonhlanhla Mathe von rechts nach links den Übergang von einer dunklen, schwierigen Vergangenheit in eine vielversprechende Zukunft dar. Im unteren Teil des Bildes hat sich Nonhlanhla Mathe von einer Bibelstelle, der Heilung des

Gelähmten (Johannes 5, 2-9 a), inspirieren lassen.

Diese Bibelstelle steht auch im Mittelpunkt der hiesigen Gottesdienste am Freitag: Darin geht es um Jesu Heilung des Gelähmten mit den Worten „Steh auf und geh“. Den Gottesdienst haben Frauen aus Simbabwe vorbereitet. Sie geben darin einen Anstoß, Wege zu persönlicher und gesellschaftlicher Veränderung zu erkennen und zu gehen.

Beim Weltgebetstag engagieren sich christliche Frauen über Konfessions- und Ländergrenzen hinweg dafür, dass Frauen und Mädchen überall auf der Welt in Frieden, Gerechtigkeit und Würde leben können. Der Weltgebetstag weitet den Blick für die Welt.

Frei nach seinem internationalen Motto „informiert beten, betend handeln“ macht er neugierig auf Leben und Glauben in anderen

Ländern und Kulturen.

„Für mich ist der Gottesdienst zum Weltgebetstag einer der schönsten im Laufe des Kirchenjahres”, bekräftigt Dekanin Eva Brinke-Kriebel. Man erhalte viele Informationen über das jeweilige Land, aus dem die Gottesdienstordnung komme, und gewinne Einblicke in das Leben der dortigen Frauen. „Was mich am Weltgebetstag aber so richtig bewegt, ist die Tatsache, dass den gesamten Tag über auf der ganzen Welt gebetet wird.” Die Dekanin lädt alle Interessierten ein, an einem der vielen Gottesdienste teilzunehmen. In vielen Fällen gibt es im Anschluss ein geselliges Beisammensein zum Austausch (siehe unten). Auch für Kinder gibt es in einigen Orten besondere Angebote.



Kirche und Handwerk: Viel gemeinsam

Vöhl. Wie viele Gemeinsamkeiten das Handwerk und die Kirche haben, ist beim Handwerksgottesdienst am Samstagabend in der Vöhler Martinskirche deutlich geworden. Die vielleicht wichtigste: Ohne Handwerk und ohne Kirche würde unsere Gesellschaft nicht funktionieren. Mehr als 100 Besucher erlebten einen abwechslungsreichen Gottesdienst, den Handwerker aus der Region mitgestalteten.

 

Handwerksgottesdienste haben in Kurhessen-Waldeck eine lange Tradition. Dass Handwerk und Kirche seit Jahrhunderten eng miteinander verwoben sind, zeigte sich in der Liturgie des Vöhler Pfarrers Jan Friedrich Eisenberg: Gemeinsam mit Peter Grohme vom Arbeitskreis Handwerk und Kirche (AHK) bei der EKKW las er die Geschichte von der Ausbesserung des Tempels (2. Könige 12, 1-16).

Zum Weiterlesen hier ...

Bilder vom Handwerker-Gottesdienst in Vöhl. Fotos: Sascha Pfannstiel



Bischöfin beeindruckt von Ehrenamt

Twiste-Eisenberg. Großes ehrenamtliches Engagement, die Schwierigkeiten bei der Unterhaltung historischer Kirchen oder die Besonderheiten seelsorgerischer Arbeit in der weitläufigen Fläche des ländlichen Raums hat Dr. Beate Hofmann bei ihrem Antrittsbesuch im Kirchenkreis Twiste-Eisenberg kennen gelernt. Die neue Bischöfin der EKKW zeigte sich bei ihrer ganztägigen Rundreise äußerst interessiert und bot bei der Lösung bestehender Probleme ihre Hilfe an. 

 

Dass Kirche kein starres Konstrukt ist, wurde in den vergangenen Jahren in Korbach deutlich: Hier sind die einzelnen Bezirke zu einer Stadtkirchengemeinde fusioniert. Unter anderem von Kirchenkreisamtsleiter Bernd Merhof ließ sich die Bischöfin über die finanziellen Hintergründe informieren. Zuvor hatte Dekanin Eva Brinke-Kriebel die Besucherin aus Kassel in Besonderheiten aus dem Kirchenkreis eingeweiht und in dessen Strukturen eingeführt. In der Kilianskirche in Korbach bewunderte die

Bischöfin dann später unter anderem das 500 Jahre alte Altarbild des Franziskanermalers.

Die Rundreise führte Dr. Beate Hofmann dann ins Upland, wo der Besuch der romanischen Kirche von Welleringhausen anstand. Friedrich Behlen vom Kirchenvorstand blickte in die Geschichte der kleinen Wehrkirche, die im Jahr 1351 erstmals urkundlich erwähnt wurde und aktuell von Pfarrerin Stephanie Stracke betreut wird. Unter den 72 Kirchen im Kirchenkreis gibt es 26 romanische, deren Unterhaltung besondere finanzielle Aufwendungen bedeutet. "Dies wollten wir der Bischöfin bei ihrem Besuch auch verdeutlichen", betonte die Dekanin.

Die Finanzen waren dann auch Thema bei der nächsten Station: Im Willinger Ortsteil Schwalefeld gewährte die dortige Gemeinde Einblick in die Pilgerkirche. Rund 10.000 Menschen besuchen jährlich das Gotteshaus, in dem sich verschiedene Stationen eines Pilgerweges, eine Klagemauer und ein Wasserfall befinden. Pfarrerin Katrin Schröter und die ehrenamtlichen Helferinnen führten Bischöfin Dr. Hofmann zu den einzelnen Stationen, erläuterten diese und gaben Einblick in die aufwendige Arbeit - so gilt es, die Kirche häufig umzugestalten, besondere Veranstaltungen wie Konzerte oder ein besinnliches Valentins-Dinner durchzuführen. Die örtliche Pfarrerin

verdeutlichte, dass die Finanzierung die größte Schwierigkeit darstelle, würden sich doch die Zuweisungen der Landeskirche an den 350 Einwohnern des Ortes und nicht an den weitaus mehr Kirchenbesuchern orientieren. Um pro Jahr 10.000 Teelichte, unzählige Blumen und Material zur Ausgestaltung anzuschaffen, Prospekte drucken zu lassen, den hohen Wasserverbrauch durch Toilettengänge der Gäste zu zahlen oder Handwerkerrechnungen zu begleichen, sei die Gemeinde auf Spenden angewiesen. Der Willinger Bürgermeister Thomas Trachte, der die Zusammenarbeit zwischen politischer und Kirchengemeinde als vorbildlich wertete, äußerte sich kritisch zur fehlenden finanziellen Ausstattung. Generell regte der Verwaltungschef eine Sozialsteuer an, mit der der Staat auf die sinkende Zahl an Kirchenmitgliedern und die dadurch fehlenden Steuern reagieren müsse. Die Bischöfin, die als Andenken einen Pilgerstab geschenkt bekam, lobte das beeindruckende Engagement in Schwalefeld. 

Im Norden des Kirchenkreises besuchte Dr. Hofmann schließlich die Städte Bad Arolsen und Diemelstadt. In der Residenzstadt führte ein Stadtrundgang vom Residenzschloss bis hin zum Internationalen Suchdienst (Arolsen Archives), dessen Arbeit erläutert wurde. Nach einer Andacht und einem Abendessen in Rhoden nahm die Bischöfin schließlich an der Sitzung des Kirchenkreisvorstands teil. 

(Text und Fotos: Sascha Pfannstiel)



"Ein Zeichen setzen für Toleranz"

Korbach. Zwei Tage nach dem mutmaßlich rechtsextremen Terrorakt in Hanau mit insgesamt elf Toten sind am Freitagabend rund 250 Menschen zu einer Mahnwache vor der Korbacher Kilianskirche zusammengekommen. Sie gedachten der Opfer und sprachen sich deutlich gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit aus.

 

"Wir möchten unser Mitgefühl mit den Opfern des Hasses zeigen und gemeinsam ein Zeichen setzen für ein tolerantes Miteinander in unserer Stadt und unserem Land", hatte am Freitagmittag Dekanin Eva Brinke-Kriebel erklärt, nachdem Ursula Müller vom "Netzwerk Toleranz" die Mahnwache angeregt hatte. Zahlreiche Menschen folgten dem Aufruf, der sich rasch auf verschiedenen Wegen in der Stadt verbreitet hatte. Einige der Teilnehmer hatten spontan Plakate gestaltet, auf denen sie sich gegen Fremdenfeindlichkeit aussprachen, andere brachten in Gedenken an die Opfer von Hanau Kerzen oder Blumen mit. Mehrere Redner machten deutlich, dass unsere Gesellschaft den Rechtsextremismus nicht dulden dürfe.

 

Anette Pries vom Bürgerbündnis für ein weltoffenes und tolerantes Korbach erinnerte an den Hessentag in Korbach, bei dem vor der Kilianskirche das "Café International" gab, bei "dem wir mit

Menschen aus vielen Nationen unser Zusammenleben gefeiert haben." Nun stehe man erneut hier - "traurig, erschüttert, entsetzt und zornig nach dem Attentat von Hanau, verübt aus Hass auf das Fremde, aus Rassismus, aus Verachtung für Menschen mit ausländischen Wurzeln." Pries machte deutlich, dass die Toten von Hanau nicht Opfer eines Irren geworden seien, sondern Opfer einer rechtsterroristischen Ideologie. "Sie wurden nicht Opfer eines verrückten Einzeltäters, sie wurden Opfer derjenigen, die die Atmosphäre schaffen, in der sich Mörder getragen und gerechtfertigt fühlen", sagte Anette Pries. Man sei nun zusammen gekommen, um diesem zerstörerischen Hass entgegenzutreten.

 

Bürgermeister Klaus Friedrich rief auf gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus, gegen rechte Gewalt und Hass, gegen "die Kräfte, die unser demokratisches Grundwesen spalten wollen." Der Rathauschef betonte, dass rechtsradikale  Verschwörungs-theoretiker das Klima in der Gesellschaft vergiften würden. "Ein Zusammenhang zwischen rechten Hasspredigern und rechten Gewalttaten ist unbestritten", verdeutlichte der Bürgermeister.

 

Sensibel sein für kleine Anfänge von Hass und Gewalt
Man sei "erschüttert, traurig, fassungslos", sagte Dekanin Eva Brinke-Kriebel. Es sei wichtig, als christliche Kirchen Mitgefühl und Solidarität deutlich zu machen. "Wir trauern mit den Familien und Freunden der Opfer und schließen sie und die Opfer in unsere Gebete mit ein." Die Dekanin sagte, die rassistisch motivierte Gewalttat von Hanau erinnere auch an den Mord an Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke oder den Anschlag auf die Synagoge in Halle.

Brinke-Kriebel appellierte an die Menschen, sich noch deutlicher einzusetzen für ein friedliches und tolerantes Miteinander und noch sensibler zu werden für die kleinen Anfänge von Hass und Gewalt "auch hier bei uns." Sie zeigte sich dankbar für den guten Kontakt auch zwischen den unterschiedlichen Religionsgemeinschaften und verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen. Die Sehnsucht nach Frieden verbinde die Menschen - ebenso die Absage an jede Form von Gewalt und Rassismus.

 

Muhammed Balkan von der Türkisch-Islamischen Gemeinde in Korbach sagte, die Mahnwache gegen Rassismus sei ermutigend. "Wir alle wollen hier ein Zeichen setzen für Toleranz, Mitmenschlichkeit und für Respekt." Niemand dürfe wegen Herkunft, Geschlecht, sexueller Orientierung, Religion oder Hautfarbe diskriminiert werden, betonte Balkan. "Wir als die Türkisch-Islamische Gemeinde in Korbach rufen auf zum friedlichen Miteinander in unserer Gesellschaft." Als Mitglied des neu gegründeten Arbeitskreises "Region gegen Rassismus" sagte Karl-Heinz Stadtler, immer wieder sei ein gewisser "Alltagsrassismus" zu spüren. Jedwede Äußerung von Rassismus dürfe man aber nicht unwidersprochen lassen. Applaus löste Stadtlers deutliche Feststellung aus: "Mit Rassismus will niemand etwas zu tun haben."

Nach einem schweigenden Gebet gingen die Teilnehmer der Mahnwache auseinander, einige stellten Kerzen zum Gedenken an die Opfer vor dem Portal der Kilianskirche auf.



Neue Synode wählt Martina Steuber

Martina Steuber (Sechste von links) wurde zur Vorsitzenden der Kreissynode im Kirchenkreis Twiste-Eisenberg gewählt. Das Bild zeigt die Mitglieder des neuen Kirchenkreisvorstandes (von links): Susanne van Gevelt, Jochen Klein, Pfarrerin Claudia Engler, Martin Gerhard, Christian Hellwig, Präses Martina Steuber, Dekanin Eva Brinke-Kriebel, die Pfarrer Uwe Jahnke und Christian Röhling, die Pfarrerinnen Birgit Basteck und Christel Wagner, Cora Viesehon und Karin Bitter-Schwalenstöcker. (Foto: Markus Heßler)

 

Martina Steuber ist die neue Vorsitzende der Kreissynode im Kirchenkreis Twiste-Eisenberg. Die Korbacherin steht während der nächsten sechs Jahre dem Kirchenparlament vor.

 

Nach den Kirchenvorstandswahlen im September tagte Ende Januar erstmals die neue Kreissynode. Die Mitglieder vertreten die Gemeinden im Gebiet des Kirchenkreises, der sich von Diemelstadt im Norden über Volkmarsen, Twistetal und Korbach bis nach Sachsenberg im Süden erstreckt und in West-Ost-Ausrichtung von Willingen über Diemelsee bis nach Landau reicht. Im Gemeindehaus der Markuskirche in Korbach kamen von 98

Stimmberechtigten 83 zusammen. Nach einer gemeinsamen Abendmahlsfeier mit modernen geistlichen Liedern blickte Dekanin Eva Brinke-Kriebel auf wichtige Entwicklungen seit der vergangenen Synode zurück. Die Dekanin ging auch auf die Rolle der Kirche ein: "Wir sind ein wichtiger Bestandteil der Gesellschaft und bringen viele gute und wichtige Impulse mit ein", sagte Eva Brinke-Kriebel. Man sei aktiv in der Diakonie, in Kindertagesstätten, in der Kinder- und Jugendarbeit sowie in der Kirchenmusik. "Daneben gibt es in unseren Kirchengemeinden ein vielfältiges buntes Leben, das dazu einlädt, den Segen Gottes selbst zu empfangen und zu spüren und ihn weiterzugeben." Um die positiven Seiten von Kirche und Glauben noch stärker in die Öffentlichkeit zu tragen, habe der Kirchenkreis seit Februar Sascha Pfannstiel als einen Referenten für Öffentlichkeitsarbeit angestellt. Derzeit noch ausgeschrieben sei eine Stelle in der Jugendarbeit.

 

Die Wahlen zum Kirchenkreisvorstand ergaben folgende Ergebnisse: Neue Vorsitzende der Kreissynode (Präses) ist Martina Steuber aus Korbach, ihre Stellvertreterin ist künftig Pfarrerin Birgit Basteck (Landau). Weitere geistliche Mitglieder neben der Dekanin sind die Pfarrer Uwe Jahnke (Mengeringhausen) und

Christian Röhling (Willingen). Zu ihren Stellvertreterinnen gewählt wurden die Pfarrerinnen Claudia Engler (Diemelstadt-Rhoden) und Christel Wagner (Meineringhausen). Ehrenamtliche Mitglieder des neuen Kirchenkreisvorstands sind Karin Bitter-Schwalenstöcker (Lengefeld), Jochen Klein (Volkmarsen) und Susanne van Gevelt (Diemelstadt-Rhoden). Stellvertretende Laienmitglieder sind Christian Hellwig (Willingen), Martin Gerhard (Vasbeck) und Cora Viesehon (Hörle).

 

Aufgaben der Kreissynode

 

Wie ein kommunales Parlament befasst sich die Kreissynode als Leitungsgremium unter anderem mit den Finanzen des Kirchenkreises, mit den Gebäuden oder Personalien. Die Synodalen bilden auch Ausschüsse, in denen vor allem die Laienmitglieder ihre Fähigkeiten und Kenntnisse aus ihren Berufen einbringen können. Üblicherweise tagt die Kreissynode zweimal im Jahr, im Frühling und Herbst.

 

Die nächste Synode findet am 27. März in Bad Arolsen statt. Dort werden die Ausschüsse abschließend besetzt. Die Synodalen beraten zudem den Haushaltsplan und werden das Zahlenwerk voraussichtlich auch beschließen.


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